Montag, 22. Dezember 2008

Das echte Outback

Woomera Prohibited Area, 22.12.2008

Ich liege hier in einem kleinen Zelt im gefühlten nirgendwo. Das Zelt ist gerade so groß, dass ich quer hineinpasse. Der Untergrund ist überraschend hart, selbst mit solchem Luxus wie Isomatte/Luftmatratze wäre es noch unbequem. Das hier ist die Wüste, bzw. vielmehr eine semi-aride Vegetationszone und wenn es hier eine Weile nicht regnet ist der Boden eben sehr hart. Das spärliche Licht, das der Bildschirm meines kleinen Laptops von sich gibt scheint eine magische Anziehungskraft auf alle mit Flügeln gesegneten Insekten im Umkreis von 500m auszuüben. Insbesondere Motten fliegen mit erstaunlicher Regelmäßigkeit gegen das Außenzelt und erzeugen eine Geräuschkulisse die einem heftigen Regenschauer nicht unähnlich ist..
Die Spuren von Emus und Kängurus die ich noch bei Tageslicht in dem von mir gewählten Camping Gebiet entdecken konnte, sowie die Begegnung mit den beiden Dingos die uns offensichtlich beim Abendessen Gesellschaft leisten wollten sind meinem momentanen Sicherheitsempfinden nicht gerade zuträglich, aber letztendlich habe ich es ja so gewollt. The real Thing, das echte Outback?

Was ich hier eigentlich mache?
Nunja mit dem Laptop schreibe ich gerade diese Geschichte, mit der ich versuche die Eindrücke der letzten Tage in dieser sehr surrealen Landschaft festzuhalten.
Warum ich in einem Zelt sitze?
Das ist einfach Anders und Tom die beiden Dänen mit denen ich z.Z. unterwegs bin, schlafen im Auto, dem Ford Falcon Kombi der uns in den letzten Tagen so treue Dienste erwiesen hat, und damit ist selbiges bereits ziemlich voll. Hinzu kommt, dass Toms Füße wirklich nunja sehr streng riechen und ich deshalb nicht wirklich unglücklich darüber war im Zelt zu schlafen.
Warum wir hier übernachten?
Weil alle sagen, dass man nachts nicht im Outback fahren kann. Einfach zu viele Tiere (hier vornehmlich Kängurus) auf der Straße. Triffste eins ist das Auto Schrott, wenn du Glück hast. Wenn du Pech hast ist das Auto kaputt und du auch. Ruhs können nämlich ziemlich groß werden und bekanntermaßen auch springen. Wenn man ein 2m großes Tier unglücklich trifft landet es in der Fahrgastzelle. Tritt dieser Fall ein neigt das Tier dazu etwas übertrieben panisch zu reagieren. Was ein 2m großes Tier mit wirklich sehr starken Beinmuskeln im Innenraum eines Autos anrichten kann wenn es in Panik gerät, legen wir hier jetzt nicht im Detail dar, nur soviel wenn man nicht gerade hinter einem Road Train fährt oder einfach nur dumm ist, fährt man nachts eben nicht im Outback.
Und weil es nur alle 150-200km eine Siedlung (hier wird bewusst nicht das Wort „Stadt“ benutzt) in der Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Hotels/Hostels vorhanden sind, kann es schon mal vorkommen, dass man sich bei Anbruch der Dunkelheit zufällig nicht gerade in der Nähe einer solchen befindet. Dann fährt man eben etwas vom „Highway“ runter und schlägt sein Zelt mitten im Nirgendwo auf.

Wo ich eigentlich bin?
Tja jetzt wird’s interessant.
Unser Trip führte uns bisher von Cairns über Townsville und Mt.Isa (das von der Fläche her genauso groß ist wie Dänemark) nach Alice Springs, wo wir eine 3-Tages Uluru (Ayers Rock) Tour gebucht hatten. Danach wollten wir über Adelaide Melbourne erreichen, wo Tom und Anders bleiben wollen und ich weiter nach Sydney reise um hoffentlich pünktlich zu Weihnachten in mein Apartment in Bondi Beach einziehen zu können. Jetzt dürften wir gerade so ungefähr 400km vor Adelaide sein. Wir campen irgendwo zwischen Glendambo und Woomera am Lake Hart, einem See dessen Ufer mit Salz gesäumt sind. Der Großteil der Seen in Central Australia hat einen so hohen Salzgehalt, dass jegliches Leben in ihnen unmöglich ist. Damit gliedern sie sich wunderbar in die Landschaft ein, die ich auf den letzten 3500km kennen lernen durfte und die ich zusammenfassend als nicht gerade lebensfreundlich beschreiben würde. Eine Landschaft von nicht vorstell- und erfassbarer Weite, eine Landschaft in der Entfernungsangaben meistens mit einer eins beginnen, gefolgt von drei weiteren Ziffern, eine Landschaft, die sich über tausende von Kilometern kaum verändert, eine Landschaft in der die Straße schnurgerade bis zum Ende des Horizonts verläuft, eine Landschaft in der Rot (Erde) und Blau (Himmel) die dominierenden Farben sind, eine Landschaft in der jedes lebende Tier, jede grüne Pflanze ein Grund zum zelebrieren ist , eine Landschaft mit tausenden ausgetrockneten Flussbetten, eine Landschaft, in der der Arzt mit dem Flugzeug kommen muss um rechtzeitig bei dir zu sein, und letztendlich eine Landschaft die dir immer und immer wieder das Gefühl gibt, dass sie sich noch nicht von Menschenhand zähmen lassen hat, sich nie zähmen lassen wird.
Das Autofahren in dieser Landschaft folgt einigen besonderen Regeln. Das beginnt schon bei der Vorbereitung. 60 Liter Wasser hatten wir dabei. Just in Case. Irgendwo mit leerem Tank zu stranden ist das eine. Dann jedoch kein Trinkwasser mehr zu haben – das ist potentiell lebensbedrohlich. Ein 20l Benzinreservekanister ist an dieser Stelle auch immer sehr hilfreich um dem zuvor erwähnten Stranden vorzubeugen. Außerdem wird empfohlen an jeder geöffneten Tankstelle anzuhalten und nachzutanken. Die Tankstellen kommen hier im gleichen Rhythmus, wie die Siedlungen: 150-200km. Wenn man Pech hat können es aber auch schon mal 250km bis zum nächsten Benzin sein.
Dass man sein Auto vor dem Trip noch einmal gründlich durchchecken lassen sollte, versteht sich fast von selbst. Selbstverständlich begegnet man unterwegs auch anderen Autos, ca. alle 20min einem, aber es ist nicht gewiss, ob die ein Satellitentelefon dabei haben, um für dich den Mechaniker anzurufen. Dein GSM-Mobiltelefon ist in dieser Landschaft nämlich vollkommen nutzlos.
Auf der Straße dann haben die Road Trains das Sagen. Trucks mit manchmal vier Anhängern und einer Länge von bis zu 52m. Da kann der Überholvorgang schon einmal zwei Kilometer Länge benötigen. Das fahren an sich ist monoton und einschläfernd, deshalb nicht ungefährlich – der Tempomat lenkt schließlich nicht für dich. Entgegenkommende Autos werden per Handsignal gegrüßt – ein Zeichen dafür, dass da wo du gerade herkommst alles in Ordnung ist.
Im Sommer sollte man sich nach Möglichkeit zwischen 12 und 15 Uhr ein schattiges Plätzchen suchen, das Auto abstellen und Pause machen. Die extremen Temperaturen zu dieser Tageszeit – bis zu 55°C in der Sonne – könnten das Auto sonst überhitzen und so zum Stehen bleiben zwingen. Wir hatten Glück, während unseres Trips war es bewölkt und für den Sommer mit 35°C ungewöhnlich kühl, wir konnten von morgens um 5.30 Uhr bis abends um 19.00 Uhr durchfahren und so bis zu 1200km am Tag schaffen….

…Ich habe es dann irgendwann doch noch geschafft einzuschlafen und bin ohne besondere Vorkommnisse (ok einmal musste ich zur Toilette – der dabei betrachtete Sternenhimmel war einfach nur der Wahnsinn. So hell und deutlich mit Millionen sichtbarer Sterne. Das lässt sich weder in Worten noch Bildern festhalten. Bei dem Anblick fühlte ich mich, so abgedroschen es an dieser Stelle auch klingen mag, als Mensch ganz klein, angesichts dieser schier unfassbaren Weiten) am nächsten Morgen relativ erholt und unversehrt aufgewacht.

Wieder auf der Straße verrät mir ein Blick in die Karte, dass wir in der „Woomera Prohibited Area“ übernachtet haben. Das Wort Prohibited irritiert mich schon etwas, aber ich denke mir, dass es sich vermutlich um Privatland von Aboriginies handelt, für das man eine Genehmigung braucht.
In der nächstgelegenen Touri-Info erklärt man mir jedoch, dass es sich bei der Woomera Prohibited Area um ein militärisches Sperrgebiet handelt, in dem Raketen, Mienen und ähnliches Kriesgerät getestet wird….


Naja Glück gehabt oder so ;-)
This is the real Outback – for sure!
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