Montag, 22. Dezember 2008

Das echte Outback

Woomera Prohibited Area, 22.12.2008

Ich liege hier in einem kleinen Zelt im gefühlten nirgendwo. Das Zelt ist gerade so groß, dass ich quer hineinpasse. Der Untergrund ist überraschend hart, selbst mit solchem Luxus wie Isomatte/Luftmatratze wäre es noch unbequem. Das hier ist die Wüste, bzw. vielmehr eine semi-aride Vegetationszone und wenn es hier eine Weile nicht regnet ist der Boden eben sehr hart. Das spärliche Licht, das der Bildschirm meines kleinen Laptops von sich gibt scheint eine magische Anziehungskraft auf alle mit Flügeln gesegneten Insekten im Umkreis von 500m auszuüben. Insbesondere Motten fliegen mit erstaunlicher Regelmäßigkeit gegen das Außenzelt und erzeugen eine Geräuschkulisse die einem heftigen Regenschauer nicht unähnlich ist..
Die Spuren von Emus und Kängurus die ich noch bei Tageslicht in dem von mir gewählten Camping Gebiet entdecken konnte, sowie die Begegnung mit den beiden Dingos die uns offensichtlich beim Abendessen Gesellschaft leisten wollten sind meinem momentanen Sicherheitsempfinden nicht gerade zuträglich, aber letztendlich habe ich es ja so gewollt. The real Thing, das echte Outback?

Was ich hier eigentlich mache?
Nunja mit dem Laptop schreibe ich gerade diese Geschichte, mit der ich versuche die Eindrücke der letzten Tage in dieser sehr surrealen Landschaft festzuhalten.
Warum ich in einem Zelt sitze?
Das ist einfach Anders und Tom die beiden Dänen mit denen ich z.Z. unterwegs bin, schlafen im Auto, dem Ford Falcon Kombi der uns in den letzten Tagen so treue Dienste erwiesen hat, und damit ist selbiges bereits ziemlich voll. Hinzu kommt, dass Toms Füße wirklich nunja sehr streng riechen und ich deshalb nicht wirklich unglücklich darüber war im Zelt zu schlafen.
Warum wir hier übernachten?
Weil alle sagen, dass man nachts nicht im Outback fahren kann. Einfach zu viele Tiere (hier vornehmlich Kängurus) auf der Straße. Triffste eins ist das Auto Schrott, wenn du Glück hast. Wenn du Pech hast ist das Auto kaputt und du auch. Ruhs können nämlich ziemlich groß werden und bekanntermaßen auch springen. Wenn man ein 2m großes Tier unglücklich trifft landet es in der Fahrgastzelle. Tritt dieser Fall ein neigt das Tier dazu etwas übertrieben panisch zu reagieren. Was ein 2m großes Tier mit wirklich sehr starken Beinmuskeln im Innenraum eines Autos anrichten kann wenn es in Panik gerät, legen wir hier jetzt nicht im Detail dar, nur soviel wenn man nicht gerade hinter einem Road Train fährt oder einfach nur dumm ist, fährt man nachts eben nicht im Outback.
Und weil es nur alle 150-200km eine Siedlung (hier wird bewusst nicht das Wort „Stadt“ benutzt) in der Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Hotels/Hostels vorhanden sind, kann es schon mal vorkommen, dass man sich bei Anbruch der Dunkelheit zufällig nicht gerade in der Nähe einer solchen befindet. Dann fährt man eben etwas vom „Highway“ runter und schlägt sein Zelt mitten im Nirgendwo auf.

Wo ich eigentlich bin?
Tja jetzt wird’s interessant.
Unser Trip führte uns bisher von Cairns über Townsville und Mt.Isa (das von der Fläche her genauso groß ist wie Dänemark) nach Alice Springs, wo wir eine 3-Tages Uluru (Ayers Rock) Tour gebucht hatten. Danach wollten wir über Adelaide Melbourne erreichen, wo Tom und Anders bleiben wollen und ich weiter nach Sydney reise um hoffentlich pünktlich zu Weihnachten in mein Apartment in Bondi Beach einziehen zu können. Jetzt dürften wir gerade so ungefähr 400km vor Adelaide sein. Wir campen irgendwo zwischen Glendambo und Woomera am Lake Hart, einem See dessen Ufer mit Salz gesäumt sind. Der Großteil der Seen in Central Australia hat einen so hohen Salzgehalt, dass jegliches Leben in ihnen unmöglich ist. Damit gliedern sie sich wunderbar in die Landschaft ein, die ich auf den letzten 3500km kennen lernen durfte und die ich zusammenfassend als nicht gerade lebensfreundlich beschreiben würde. Eine Landschaft von nicht vorstell- und erfassbarer Weite, eine Landschaft in der Entfernungsangaben meistens mit einer eins beginnen, gefolgt von drei weiteren Ziffern, eine Landschaft, die sich über tausende von Kilometern kaum verändert, eine Landschaft in der die Straße schnurgerade bis zum Ende des Horizonts verläuft, eine Landschaft in der Rot (Erde) und Blau (Himmel) die dominierenden Farben sind, eine Landschaft in der jedes lebende Tier, jede grüne Pflanze ein Grund zum zelebrieren ist , eine Landschaft mit tausenden ausgetrockneten Flussbetten, eine Landschaft, in der der Arzt mit dem Flugzeug kommen muss um rechtzeitig bei dir zu sein, und letztendlich eine Landschaft die dir immer und immer wieder das Gefühl gibt, dass sie sich noch nicht von Menschenhand zähmen lassen hat, sich nie zähmen lassen wird.
Das Autofahren in dieser Landschaft folgt einigen besonderen Regeln. Das beginnt schon bei der Vorbereitung. 60 Liter Wasser hatten wir dabei. Just in Case. Irgendwo mit leerem Tank zu stranden ist das eine. Dann jedoch kein Trinkwasser mehr zu haben – das ist potentiell lebensbedrohlich. Ein 20l Benzinreservekanister ist an dieser Stelle auch immer sehr hilfreich um dem zuvor erwähnten Stranden vorzubeugen. Außerdem wird empfohlen an jeder geöffneten Tankstelle anzuhalten und nachzutanken. Die Tankstellen kommen hier im gleichen Rhythmus, wie die Siedlungen: 150-200km. Wenn man Pech hat können es aber auch schon mal 250km bis zum nächsten Benzin sein.
Dass man sein Auto vor dem Trip noch einmal gründlich durchchecken lassen sollte, versteht sich fast von selbst. Selbstverständlich begegnet man unterwegs auch anderen Autos, ca. alle 20min einem, aber es ist nicht gewiss, ob die ein Satellitentelefon dabei haben, um für dich den Mechaniker anzurufen. Dein GSM-Mobiltelefon ist in dieser Landschaft nämlich vollkommen nutzlos.
Auf der Straße dann haben die Road Trains das Sagen. Trucks mit manchmal vier Anhängern und einer Länge von bis zu 52m. Da kann der Überholvorgang schon einmal zwei Kilometer Länge benötigen. Das fahren an sich ist monoton und einschläfernd, deshalb nicht ungefährlich – der Tempomat lenkt schließlich nicht für dich. Entgegenkommende Autos werden per Handsignal gegrüßt – ein Zeichen dafür, dass da wo du gerade herkommst alles in Ordnung ist.
Im Sommer sollte man sich nach Möglichkeit zwischen 12 und 15 Uhr ein schattiges Plätzchen suchen, das Auto abstellen und Pause machen. Die extremen Temperaturen zu dieser Tageszeit – bis zu 55°C in der Sonne – könnten das Auto sonst überhitzen und so zum Stehen bleiben zwingen. Wir hatten Glück, während unseres Trips war es bewölkt und für den Sommer mit 35°C ungewöhnlich kühl, wir konnten von morgens um 5.30 Uhr bis abends um 19.00 Uhr durchfahren und so bis zu 1200km am Tag schaffen….

…Ich habe es dann irgendwann doch noch geschafft einzuschlafen und bin ohne besondere Vorkommnisse (ok einmal musste ich zur Toilette – der dabei betrachtete Sternenhimmel war einfach nur der Wahnsinn. So hell und deutlich mit Millionen sichtbarer Sterne. Das lässt sich weder in Worten noch Bildern festhalten. Bei dem Anblick fühlte ich mich, so abgedroschen es an dieser Stelle auch klingen mag, als Mensch ganz klein, angesichts dieser schier unfassbaren Weiten) am nächsten Morgen relativ erholt und unversehrt aufgewacht.

Wieder auf der Straße verrät mir ein Blick in die Karte, dass wir in der „Woomera Prohibited Area“ übernachtet haben. Das Wort Prohibited irritiert mich schon etwas, aber ich denke mir, dass es sich vermutlich um Privatland von Aboriginies handelt, für das man eine Genehmigung braucht.
In der nächstgelegenen Touri-Info erklärt man mir jedoch, dass es sich bei der Woomera Prohibited Area um ein militärisches Sperrgebiet handelt, in dem Raketen, Mienen und ähnliches Kriesgerät getestet wird….


Naja Glück gehabt oder so ;-)
This is the real Outback – for sure!
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Samstag, 25. Oktober 2008

Eine kleine Abhandlung über Zimmergenossen

Brisbane, 25.10.2008

Für Backpacker und/oder Langzeitreisende, die kein Auto ihr Eigen nennen, sind Hostels in Australien meist die naheliegendeste, weil preisgünstigste Möglichkeit der Übernachtung. Ich habe bisher zwischen $25 und $28 pro Nacht gezahlt, was bei dem aktuellen sehr sympathischen Umrechnungskurs ca. 12 bzw. 14€ sind. Je nach Lage, Ausstattung und Jahreszeit kann man auch Hostels mit $20 wahlweise aber auch $30 pro Nacht finden. (Der Preis lässt dabei leider nicht immer automatisch Rückschlüsse auf die Sauberkeit zu, aber das ist ein anderes Thema).

Mit dem günstigen Preis (im Vergleich zu Hotel, Motel, etc.) gehen bei Hostels jedoch einige Besonderheiten einher. So ist es nicht unüblich sich WC und Bad mit allen Gästen zu teilen, gleiches trifft auch auf die Hostelküche zu. Am gewöhnungsbedürftigsten mag jedoch der Fakt sein, dass man auch sein Zimmer mit anderen Gästen teilt. Wildfremden zumeist. Entweder dreien (4er dorm), oftmals fünfen (6er dorm) mitunter aber auch neunen (10er dorm). Die Räume sind zumeist auch nicht sonderlich groß. So habe ich bisher noch in keinem 4erdorm geschlafen der auch nur halb so groß wie mein Zimmer in Berlin ist. Aus Gründen der optimalen Auslastung wird in vielen Hostels auch auf eine Trennung nach Geschlecht verzichtet, so dass man oftmals sogenannte Mixed-Dorms antrifft….
Es mag überraschend klingen, aber man gewöhnt sich an das alles. Für mich ist es mittlerweile das normalste der Welt auf meinem Bett (das obere eine Doppelstockbetts) zu liegen und zu versuchen möglichst leise diesen Eintrag in meinen Laptop zu tippen, damit die zwei (leider recht durchschnittlich attraktiven) Däninen mit denen ich mir das 12m² Zimmer teile, um 21.43 Uhr in Ruhe einschlafen können.
Jedenfalls, und das ist der eigentliche Inhalt dieses Artikels, lernt man in Hostelzimmern die unterschiedlichsten Leute kennen. Angefangen bei diversen Iren, mit denen ich mir das Zimmer in Sydney teilen durfte, und die nichtmal „Hallo“ sagen wollten, über fiese glatzköpfige Briten bis hin zu illegalen aber sympathischen Neuseeländerinnen. Doch der Reihe nach:

Zu den Iren in Sydney gibts eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass sie nicht grüßten, sich wohl zerstritten hatten (war ein Pärchen) und komisch rochen. In Byron Bay übernachtete ich in der Arthouse Factory Lodge. Einem Hostel mit Hippie-Wurzeln, die jedoch handfesten kommerziellen Interessen gewichen sind. Für das 10 Mann Zimmer (das zugegeben sehr groß war) habe ich $28 die Nacht bezahlt. Da habe ich einige Leute kennengelernt, z.b. Dan aus Essex mit dem Master in Computer Science und Mathematics, der keine Lust mehr auf PCs hat und jetzt vielleicht Koch wird. Oder auch die drei niedlichen und sehr lustigen Kanadierinnen, von deren Namen ich nur noch weiß, dass sie alle mit „L“ anfingen. Die sind alle drei eigentlich Studenten, sind aber zum aktuellen Semester nicht in die Uni gegangen und versuchen jetzt in Australien herauszufinden, ob sie das Richtige studieren. Eine von Ihnen hat eine ausgeprägte Spinnenphobie und weigerte sich ihr Doppelstockbett zu betreten, so lange 3m über ihr diese kleine Spinne hing. Dabei muss angemerkt werden, dass dieser 10 Bett Raum nicht in einem richtigen Gebäude, sondern vielmehr in einer großen Wellblechhütte lag, die sich, wie das gesamte Hostel überhaupt, mehr im Dschungel als in der Stadt befand (siehe Bilder). Da kam es schon mal vor, dass einige Spinnen , die meines mir bei Wikipedia angelesenen Wissens nach, alle nicht giftig waren und wenn dann nicht so richtig schlimm, in den Ecken hingen.
Ich konnte die Spinne dann erfolgreich entfernen und das Mädchen darauf hinzuweisen, dass Australien bei ihrer Spinnenphobie vielleicht nicht das geeignetste Reiseland für sie darstellen könnte.
In Surfers Paradise durfte ich einen ganz besonderen Zimmergenossen kennenlernen. Der Name ist mir leider entfallen, aber er klang irgendwie gemein und britisch. Sagen wir Edward.
Ich hatte das Vergnügen Edward zu begegnen als ich um 10.00 Uhr morgens im Hostel ankam und das erste Mal mein Zimmer betrat. Edward war geschätzte 31,4 Jahre alt, glatzköpfig, Brite und hatte erkennbares Übergewicht, welches sich in voller Pracht in mein Sichtfeld drängte, da Edward unbekleidet schlief. Der allgemeine Zustand des Zimmers konnte den ersten Eindruck den Edward auf mich machte leider in keinster Weise verbessern. Das Zimmer war wirklich dreckig und sehr sehr unaufgeräumt. Es sah so aus, und das war höchstwahrscheinlich auch der Fall, als würde Edward schon ziemlich lange alleine in diesem 4Mann Zimmer wohnen. Die anderen 3 Betten waren nicht belegt, der Kram der rumlag (Britische Klatsch/Tratsch Magazine, mehrere Stapel englischsprachiger DVDs) ließen sich ihm spontan und ohne Zweifel zuordnen.
Nach zwei weiteren Minuten in dem Zimmer fielen mir die vielen Tablettenschachteln und zwei Hemden mit dem Aufdruck „Security“ auf. (Ich bin immer noch der Meinung, dass nur Idioten T-Shirts mit einem Security Aufdruck tragen, aber bei Edward hatte das andere Gründe auf die ich im folgenden noch eingehen werde).
Zu den bereits nicht sehr vorteilhaften optischen Eindrücken gesellten sich dann noch Wahrnehmungen olfaktorischer und akustischer Natur, in Form von lautem Schnarchem im Wechsel mit undefinierbaren Grunzgeräuschen sowie einem wirklich merkwürdigen und seeeehr seeehr intensivem Geruch die das/mein Gesamtbild von Edward abrundeten.
Während ich dem Hostel-Manager in Gedanken für die gelungene Zimmerzuteilung dankte, machte ich mich auf den Weg nach Dreamworld, einem Erlebnispark in der Nähe. Am späten Abend heimgekehrt, redete ich mir ein, dass ich mit meinem ersten Eindruck von Edward ja auch falsch liegen könnte und ihm eine zweite Chance geben sollte.
Diese hat er dann ziemlich schnell verspielt als er mich anfuhr, warum ich ihn heute morgen geweckt hätte. Er arbeite schließlich die ganze Nacht und brauche den Schlaf tagsüber. Mir fiel darauf nicht viel ein, da ich einerseits, nachdem ich realisiert hatte, dass unter dem Übergewicht ein breiter und fieser Typ steckt, nicht sonderlich an einem wie auch immer gearteten Streit interessiert war, andererseits mich jedoch im Recht sah (soll er doch in ein Einzelzimmer ziehen wenn er Tags über schlafen möchte) und mich deshalb nicht entschuldigen wollte. Deshalb fragte ich, was er denn arbeite, woraufhin er mir erklärte er mache Security. Daher also die T-Shirts.
Es stellte sich dann heraus, dass Edward „Nachtwächter“ in dem Hostel war. Das war einerseits merkwürdig, da ich nicht wusste dass man so etwas braucht und zuvor noch nicht gesehen habe. Andererseits war Edward als Nachtwächter einfach eine sehr lustige Erscheinung, wie er da am Eingang saß mit seinem Security T-Shirt unter dem schwarzen Trenchcoat bei 25°C Außentemperatur, das Mini-DVD Wiedergabegerät auf dem Schoß, und mir mit einem extra grimmigen Nicken Eintritt gewährte.
Das war also Edward, der wahrscheinlich gar nicht Edward hieß.
Später am Abend kam dann noch Richard, Ende 20 aus München, in das Zimmer. Wir verstanden uns ganz gut und ich hielt ihn eigentlich für einen netten Typen. Diese Einschätzung musste ich nachts um 3 jedoch leider revidieren als Richard nach Hause kam und es für angebracht hielt seine Matratze die sich in dem Bett unter mir befand (Stichwort Doppelstockbett) unter Benutzung der vollen Zimmerbeleuchtung auszuwechseln, da er sie für zu hart befand. So gelang es ihm mich aufzuwecken und mir noch eine gute Nacht zu wünschen. Fand ich nett.

Ich habe dann das Zimmer gewechselt wegen Edward, und Tieren die in einem anderen Beitrag näher erläutert werden, und traf auf Keith (England), Mart(Estland) und Claudine (Neuseeland) die sehr gut befreundet (Mart&Keith) bzw. ein Paar (Mart&Claudine) waren. Die drei waren lustig drauf. Mart war seit 10 Tagen in Australien und hatte bereits sein ganzes Geld (1200€) in den lokalen Wirtschaftskreislauf eingebracht. Claudine war „illegaler“ Untermieter in dem Zimmer (d.h. sie bezahlte nichts) und schlief neben Mart im Bett. Sie war gerade in ihrem Call Center Job gekündigt worden und pleite, bestand aber trotzdem darauf mein Bier in der Bar zu bezahlen. Claudine gab, trotz ihres auch recht jungen Alters (23) einige sehr weise Sachen von sich die mich wirklich inspiriert haben. Ich bin froh die drei getroffen zu haben.
Das beendet nun meine (etwas sehr ausführlich gewordene) Abhandlung über Zimmergenossen in Hostels.
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Mittwoch, 22. Oktober 2008

Begegnungen der unerfreulichen Art

Surfers Paradise, 22.10.2008

Wie wir alle wissen ist Australien ja ein mit ungeliebten Reptilien und Insekten reichlich gesegnetes Land. Europäische Medien vermitteln sogar den Eindruck dass wo man geht und steht in Australien sich in Acht vor gefährlichen Spinnen und Schlangen nehmen muss. Ich hatte sogar wirklich Bedenken ob die giftigen Reptilien und Insekten eine reale Gefahr für mich darstellen. Nach zwei Wochen hier sehe ich das wesentlich entspannter. Ich habe nicht eine gefährliche Spinne oder Schlange gesehen, obwohl selbst auf Australien spezialisierte Internetseiten mir erklären wollten, dass man in selbst in der Millionenmetropole Sydney gute Chancen hat auf gemeine Redback Spiders oder Sydney Funnelwebs zu treffen..
Der von mir zunehmend mehr geschätzte Lonely Planet teilt im Übrigen meine Einschätzung. So erklärt er, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Tod durch einen Spinnenbiss gab. Weiterhin sterben pro Jahr nur 1-2 Menschen durch Schlangenbisse, einer durch eine Haiattacke und ein weiterer durch Krokodile. Mit ca.2 Todesopfern ist diese eine fiese Quallenart (Irukandjis) genau genommen das gefährlichste Tier in Australien. Nichtsdestotrotz ist es immer noch ungefähr hundert mal wahrscheinlicher zu ertrinken als von einer der oben genannten Kreaturen getötet zu werden.

So weit so beruhigend. Das heißt jedoch nicht, dass man auf gar keine Insekten in Australien trifft.
Ich durfte diese Woche mit einer optisch eher benachteiligten Art Bekanntschaft machen: der australischen Kakerlake.
Bei den Sympathiewerten ungefähr auf gleichem Niveau mit ihren deutschen Brüder und Schwestern unterscheidet sie sich von letztgenannten vor allem durch Aussehen und Auftreten. An Körpergröße und Schulterbreite den germanischen Artverwandten deutlich überlegen, der Panzer auf Grund des sonnenverwöhnten Lebensraums Gold-gebräunt, ist nicht zuletzt ihre entspannte Laid-Back Lebensweise (sie kann fliegen!) ihr charakteristischstes Merkmal. Doch zu ihren Besonderheiten später mehr.

Es war jedenfalls in diesem Rattenloch von Hostel in Surfers Paradise mit dem bezeichnenden Namen „Backpackers in Paradise“. Nachdem ich ja die unbeschreibliche Freude hatte Edward (siehe anderen Eintrag) kennen lernen zu dürfen, bin ich abends nochmal weg und ca. 1 Uhr nachts nach Hause gekommen. Während der gewohnten und mir immer vertrauter werdenden im Hostel zu Bett Geh Routine sehe ich plötzlich etwas über den Teppichboden huschen. Es war eine Kakerlake (zu englisch: cockroach – interessante Randnotiz: sowohl die deutsche und auch englische Bezeichnung dieses Insekts klingen nicht sehr nett, also so lautmalerisch. Gibt es da einen Zshg.? – Frage an alle hier versammelten Sprachwissenschaftler). Während ich mich noch wunder, wo die denn jetzt plötzlich herkommt und was sie hier will, machen sich meine Hände selbstständig und werfen den Papierkorb auf das arme Tier. Zu meiner und aller Anwesender Überraschung macht es Spwlatsch (das ist die deutsche Übersetzung – in der englischen Originalfassung hat es „Splatch“ gemacht) und das arme Tier ist hin. So war das eigentlich nicht geplant. Man liest doch immer diese Geschichten von diesen supertoughen Kakerlaken. Härteste Schale überhaupt und einziges Tier, das einen Atomangriff überlebt und so.
Während mein Gehirn noch versucht das eben Geschehene zu begreifen und mit bereits vorhandenen Informationen zu verknüpfen (O-Ton mein Gehirn: „Jaja Atomangriff überleben und so und sich dann von nem Plastepapierkorb zerquetschen lassen oder wie? Harte Schale? Das ich nicht lache. Vielleicht hatte ich einfach nur ein softes Exemplar vor mir? Überhaupt, das ging zu einfach! Wieso ist die jetzt schon tot? Das war ja fast langweilig. Irgendwie auch doof jetzt. Naja immerhin Problem gelöst. ) und ich das neu entstandene Muster auf Teppich und Tapete bewundere, zu dem Kakerlakes Innereien nicht unerheblich beigetragen haben, wandern plötzlich 6 weitere Schaben fröhlich aber doch etwas nervös an mir vorbei.
Das ist mir dann doch zu viel. Mit einer konnte ich es noch aufnehmen, sechs überfordern einfach meine koordinativen Fähigkeiten. Ich gebe mich geschlagen - lasse Kakerlaken Kakerlaken sein – räume meine Sachen aus der Schusslinie auf den Tisch und ziehe den Rückzug in mein Hochbett (Doppelstockbett) vor.

Am nächsten Morgen suche ich den Manager des Hostels auf und bitte ihn mir mein Geld für eine zweite Nacht zurückzuerstatten, die ich mit Hinweis auf meinen unliebsamen Besuch , nicht mehr anzutreten gedenke. Unser Streitgespräch lief so oder so ähnlich ab:

Ich: Morning. I have a short question.
Manager: Mhmm.
Ich: Are cockroaches part of the paradise experience your hostel offers?
Mg: Mhmm, Why?
Ich: Because I saw a couple of them in my room last night!
Mg: Really?
Ich: Ja! It was disgusting.
Mg: How many did you see?
Ich: Well like 10 or so. They were all over that place (an der Stelle habe ich natürlich bewusst übertrieben ).
Mg: Small ones or big ones?
Ich: I don’t know. There were fu**** Cockroaches man!
Mg: Yeah, you told me already. So you don’t know if they were small or big?
Ich: No! And I don’t even care! Anyhow, I just want to checkout now and my money for tomorrow night bag.
Mg: We don’t do refunds.
Ich: You don’t do refunds?
Mg: Jap, We don’t do refunds.
Ich: Well, I still want my money back!
Mg: Fine, but we don’t refunds.
Ich: Yeah you already told me that. I still want my money back.
Mg: Well I got that, but we simply don’t d refunds.

Das ging dann noch eine Weile so und er hat mir schließlich angeboten das Zimmer zu wechseln, was ich angesichts seiner Uneinsichtigkeit bzgl. der Refunds dann auch gemacht habe, nicht jedoch ohne ihn darauf hinzuweisen, dass ich sein Hostel für das allerletzte halte, allen, und zwar wirklich allen, meinen Freunden erzählen werde was das hier für ein Rattenloch ist, und ich habe viele Freunde, die alle Backpacker sind, dass ich böse Emails an den Lonelyplanet schreiben werde und sein Hostel auf allen Bewertungsseiten im Internet durchfallen lassen werde.
Ließ ihn alles ziemlich kalt irgendwie.


Später erklärte mir wikipedia dann dass es ein paar entscheidende Unterschiede zwischen deutschen und australischen Kakerlaken gibt (die heißen übrigens wirklich so – der korrekte englische zoologische Name ist „German Cockroach“). Australische Schaben kommen nämlich auf Grund des warmen Klimas hier einfach so in der Natur vor und verirren sich ab und zu auch mal in Häuser. Ihre deutschen Verwandten hingegen können in der deutschen Natur eigentlich nicht überleben und sind daher auf Gebäude als Lebensraum angewiesen. Sie sind damit ein Anzeichen für wirklich unhygienische Verhältnisse in D., weil sie nicht eben gestern erst durch die Scheibe ins Haus geflogen sind sondern da schon ne ganze Weile leben und dazu noch ganz fiese Krankheiten übertragen können. Australische Kakerlaken übertragen nix und werden deshalb auch nicht als Zeichen für super krass unhygienische Zustände angesehen.

Ein Nachtrag zu den oben zitierten Statistiken der Todesopfer. 2009 dürfte da leicht drüber liegen – so wurden alleine zu Jahresanfang am Bondi Beach in Sydney zwei Surfer von Haien getötet. Die wollen da jetzt die Netze verbessern in der Bucht – fällt ihnen früh ein.
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Dienstag, 14. Oktober 2008

Byron Bay im Tagebuchstil

Byron Bay, 14.10.2008

Ich war insgesamt 4 Tage in Byron Bay. Nachfolgend eine Beschreibung der beiden erinnernswertesten Tage.


Tag 3 – Sonntag

Um 09.00 Uhr aufgestanden, geduscht, gefrühstückt, etc. pp.
Um 10.00 Uhr in den Hippie-Bus von Jim gestiegen. Jim von Jim's Alternative Tours. Was an seinen Touren alternativ war habe ich bis heute nicht rausgefunden, der Preis war es jedenfalls nicht, $30 für eine Busfahrt / Tagestour fand ich grenzwertig, aber Jim hatte sich einen Namen gemacht und wurde weiterempfohlen.
Der Bus fuhr nach Nimbin. Einem kleinem Ort im Hinterland von Byron Bay...
Nimbin ist eine Art Kommune für Hippies und wird auch als das Amsterdam von Australien bezeichnet, da man sich mehr oder weniger legal mit Drogen (vornehmlich Marihuana) eindecken kann. Als ich das erfuhr war ich doch überrascht , denn das war nicht das eigentliche Ziel meines Trips und stand auch so nicht im Reiseführer. Aber egal, lass ich mich einfach überraschen dachte ich mir. Jim war mehr DJ als Busfahrer und hatte für jede Wegstrecke den passenden Song, was im übrigen sehr cool war, da er einen ausgewählten Rock/Pop Geschmack besaß. Außerdem erzählte er lustige Geschichten von früheren Touren und bekifften Fahrgästen. In Nimbin angekommen wurde mir relativ schnell klar, dass das mit den Hippies schon lange vorbei war. War mehr so ein Touristennepp mit ein paar Regenbogenfarbenen Hausfassaden, einigen heruntergekommenen Dealern, vielen normalen Leuten und Cookies verkaufenden Hippie Omas. Das beste Marihuana soll es übrigens vor der Polizeistation geben, habe ich mir später mal erzählen lassen. Wir haben uns dann das Museum angeguckt, bei dem ich mir bis heute noch nicht klar bin, was es aussagen wollte, und fanden uns dann im Hinterhof des Museums wieder, wo eine der besagten Hippie-Omas selbst gemachte Kekse anbot. Die ich mit Rücksicht auf potentielle minderjährige Leser, natürlich nicht für $5 das Stück erworben hab. Auf der Rückfahrt sind wir dann durch einen Nationalpark gefahren. Das war ein subtropischer Regenwald. Wunderschön. Mit echten Koalas :-)
Jedenfalls hatten einige Mitreisende sich mit Keksen eingedeckt und die offensichtlich auch verzehrt. Das blonde Mädchen vor uns versuchte uns zu überzeugen, dass sie ihre Zunge und ihr Gesicht nicht mehr spürt und gar nicht versteht warum sie überhaupt noch sprechen kann. Viel lustiger war jedoch ihre Nachbarin. An der Stelle muss ich nochmal kurz ausholen. Der Bus in dem wir gefahren sind war schon ziemlich alt und auch relativ groß, Modell Schulbus, vermutlich nicht einfach zu steuern. Die Straßen die wir in dem Nationalpark benutzt haben waren wirklich eng, steil und nicht im besten Zustand mit wunderschönen Panoramen in die Tiefe nur 1m von der Straße entfernt. Jedenfalls steht dieses Mädchen auf, geht nach vorne und sagt (so hat es Jim später erzählt): "Ich weiß, das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber ich will jetzt diesen Bus fahren!". ….
Jim konnte sie dann wohl irgendwie überzeugen, dass das doch nicht die beste Idee ist und wir sind dann noch zu einem lokalen Hippie Markt gefahren der eigentlich ganz nett war. Ich hab echtes organisches Bananeneis gegessen und war bei einer Wahrsagerin. Wird alles gut hat sie gesagt und ich soll mich mal wieder bei meiner Exfreundin melden. Außerdem werde ich nie Geldsorgen haben und meinen Weg im allgemeinen und insbesondere zu meinem spirituellen Ich finden. Außerdem soll ich nie aufhören zu reisen. War ich mit einverstanden :-) und war mir die $25 wert. Das interessanteste daran war jedoch, dass die Wahrsagerin aus Berlin kam. Das wusste ich nicht als ich mich dafür entschieden hatte. Das nenn ich mal Schicksal und so.
Zurück im Hostel war ich dann nicht von der verspätet stark einsetzenden Wirkung der nicht erworbenen Kekse überrascht und habe deshalb auch nicht auf das Feierabendbier verzichtet.

Tag 4 – Montag

Bin um 05.10 Uhr aufgestanden. Auf Duschen und Zähneputzen verzichtet. Um 5.20 Uhr fuhr der Shuttlebus von der Hotelrezeption zum Byron Bay Leuchtturm. Als wir ankommen ist es noch dunkel. Der Leuchtturm ist der stärkste in ganz Australien und der östlichste Punkt auf dem australischen Festland. Um 6.00 Uhr geht die Sonne auf. Der Tag erwacht. Der Sonnenaufgang ist wunderschön, mir gelingen ein paar gute Bilder. Der Minibus bringt uns wieder zurück zum Hostel. Um 7 Uhr duschen und Zähneputzen. Ein super Gefühl so früh wach und frisch zu sein, den ganzen Tag noch vor sich zu haben. Ich habe Toast, Marmelade und Kaffee zum Frühstück. Danach etwas im Internet surfen und mit Deutschland skypen. Daheim geht der Tag gerade zu Ende, 9h Zeitunterschied.
Entscheide mich dann doch noch für die Kayaktour auf dem Meer. $60 kommen wieder, Kayaktouren auf dem Meer in Byron nicht.
Die Tour ist geführt und verspricht "Delfine sehen-oder nochmal umsonst mitmachen", sowie mit etwas Glück Wale und Schildkröten. Nach umständlichen Sicherheits- und Kanubenutzungsanweisungen, die ich nur halbherzig verfolge geht's auch schon los. Bei strahlendem Sonnenschein mit dem Kayak raus in die Byron Bucht. Das Kayak fahren macht wirklich Spaß trotz der vielen Wellen und ich nehme mir vor das von nun an öfter zu machen. Bereits kurz hinter dem Strand sehen wir einige große Meeresschildkröten. Die fetzen. 15min später sehen wir den ersten Wal in der Ferne. Wir paddeln näher ran. Auf meine Frage hin wie weit man sich an die Wale ranwagen kann, meint der Tourguide: Probier es aus. Das hab ich dann und auf einmal waren da ganz viele Wale. 6 Stück oder mehr. Teilweise Mutter mit Kalb. Alles Buckelwale. Die waren wirklich riesig. Der Tourguide war auch ganz überrascht und meinte das hätte er noch nie erlebt, dass soviele da waren und vor allem dass die Tiere so dicht an die Kanus kamen. Mehrere Wale sind unter uns durchgeschwommen und ganz dicht an uns vorbeigeschwommen. Teilweise weniger als 3 Meter von uns weg sind sie aufgetaucht und haben Luft geholt. Das war wirklich sehr beeindruckend. Der Tourführer meinte später, das wäre wie ein Lottogewinn. So gering war die Chance so viele Wale aus so geringer Entfernung zu sehen. Mich hats gefreut und ich hab mir eingebildet die Meeressäuger hätten das nur für ich gemacht :-)
Auf dem Rückweg haben wir noch einige Delfine gesehen, aber die waren wohl schlecht drauf, vermutlich weil die Wale ihnen die Show gestohlen hatten, jedenfalls waren sie schnell wieder weg. Das coole an Meerkayaks ist dass sie für die Benutzung auf dem Meer ausgelegt sind. Wir sind dann mit dem Kayak an den Strand gesurft. Das macht richtig richtig viel Spaß wenn man die Welle richtig erwischt. Ist wie richtiges Surfen nur mit dem Kayak statt dem Surfboard halt. Habs dann etwas übertrieben und auf die besonders große Welle gewartet, die ich in den ersten 5 Sekunden auch ganz gut erwischt habe. In den nächsten 5 Sekunden geriet das ganze etwas außer Kontrolle und ich wurde seitlich von der Welle erfasst um mich dann 20 Sekunden später gut durchgespült am anderen Ende des Strandes wiederzufinden. Schön Wasser geschluckt und Sonnenbrille verloren, konnte aber trotzdem lachen.
Nach der Tour habe ich mich dann für 2-3h noch an den Strand gesetzt. Entspannt sonnenbaden, wobei ich das erste mal gesehen hab, wie schön der Strand in byron wirklich ist. Bin dann auch nochmal kurz baden in der Hoffnung ich könnte meine Sonnenbrille noch irgendwo im Wasser finden. War natürlich eine komplett bescheuerte Idee. Egal.
Hab dann noch ein bisschen Lebensmittel im Woolworth geshoppt und bin zurück ins Hostel wo ich die nächsten 2h mit meiner weiteren Reiseplanung verbracht habe.
Um 17 Uhr ist im Hostel dann so eine Führung gestartet bei der einem gezeigt wurde, welche Pflanzen im Dschungel essbar sind, welche Maden lecker sind, wie man Feuer macht und alles drum herum und so. Der Typ war zwar wirklich komisch drauf, aber interessant war es trotzdem.
Der Tag wurde dann standesgemäß mit Zimmergenossen, Bier und selbstgemachter Musik abgeschlossen. So kann man leben :-)

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Samstag, 4. Oktober 2008

Die Hinreise

Im ICE 634 zwischen Berlin und HH, 04.10.2008

„So that’s it than“. Dachte ich.
So geht das also, man sitzt im ICE und das ist die erste Station auf dem Weg in die Weite Welt. Irgendwie überraschend unspektakulär. Ein bisschen Zeit zum Nachdenken während man noch in der deutschen Zeitzone und Gedankenwelt ist. Ok soviel Zeit auch wieder nicht. Der ICE braucht von Berlin nach Hamburg ja nur 1h20min. (Ok. Ok es sind 1h 40min zur Zeit, dank des mit Steuergeldern subventionierten, qualititativ nicht ganz so hochwertigen Neubaus der Hochgeschwindigkeitsstrecke B-HH). Trotzdem Zeit zum Nachdenken also: Warum ich mich überhaupt für diese Reise entschieden habe, warum ich irgendwie immer noch nicht aufgeregt bin, ob ich überhaupt realisiert habe, dass ich die nächsten 10 Monate am anderen Ende der Welt bin und was verdammt nochmal ich alles eingepackt habe, dass mein Rucksack so schwer ist...
Ich glaube das ist irgendwie ein deutscher Traum. Allem zu entfliehen. Dem Korsett aus Verpflichtungen, Spießertum, Schlechtem Wetter, Alltag. Ans andere Ende der Welt. Sonnenschein. Easy Going. Laid Back. Reisen, was erleben. Keine Verpflichtungen. Aber trotzdem mit Netz und doppeltem Boden (Australien gilt als sicherer als D. und das bessere Gesundheitssystem hat es auch) und natürlich dem Rückflugticket. Also Abenteuer ja, Gefahr nein. Eine typisch deutsche Argumentation wie ich finde. Wobei daran überhaupt nichts auszusetzen ist. Wie auch immer, Fakt ist Australien scheint ein sehr beliebtes Reiseziel für die 19-35 Jährigen Deutschen zu sein. Jedem dem ich von meinen Plänen erzählt habe, kennt jemanden oder kennt jemanden der jemanden kennt, der schon mal downunder war, ist oder bald sein wird. Wenn ich das mal grob überschlage, komme ich zu dem Ergebnis, das bereits jeder zweite Deutsche Australien besucht haben muss. Ähmm ja oder auch nicht. Vermutlich vermisst meine kleine Kopfrechnung hier diverse entscheidende Faktoren, wie die Möglichkeit, dass alle immer nur die gleiche Person kennen, die da war und….
Wie auch immer. Wie ich auf die Idee kam, nach Australien zu reisen? Ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Ich glaube die Idee/den Traum habe ich schon seit meinem 18. Lebensjahr. Damals nach dem Abitur ist das nichts geworden. Doch jetzt nach Erststudium ist eigentlich der ideale Zeitpunkt. Also wenn nicht jetzt wann dann, dachte mir und mit dem Kauf des Flugtickets vor 3 Monaten war das dann irgendwie schon beschlossene Sache.
Warum ich nicht aufgeregt bin? Keine Ahnung. Vielleicht weil es nicht der erste Interkontinentalflug ist? Vielleicht weil ich mir einbilde alles gut durchgeplant und an alles gedacht zu haben. Oder vielleicht auch weil ich gerade Hunger habe. 8min Umsteigezeit am Hauptbahnhof braucht man wirklich. Zumindest wenn man ins UG muss. Es überrascht mich immer wieder. Zeit für Schlangestehen bei Kamps bleibt da nur bedingt. Außerdem haben diese DB Züge ja so eine lächerliche Taktung. Jede Stunde fährt der nach Hamburg. Die Berliner S-Bahn fährt alle 3min. Da darf man wenigstens auch mal eine verpassen.
Vermutlich habe ich es einfach noch nicht realisiert. Ich war wirklich überrascht was man für 10 Monate Abwesenheit aus Deutschland alles organisieren muss. Angefangen bei der Meldung beim Arbeitsamt bis zu dem Versuch seinen Fitnessstudio-Vertrag zu pausieren. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an die Elixia Fitnessgruppe. Ihr seid ganz großes Kino! Natürlich habe ich vollstes Verständnis dafür, dass Hin- und Rückflugticket euch nicht als Nachweise für meine 10monatige Abwesenheit ausreichen. Kann ich schon verstehen.
Wie auch immer. Ich war irgendwie noch bis zu einem Tag vor Abflug mit administrativem Kram beschäftigt und wenn es auch nur die Kündigung für meinen in 11 Monaten auslaufenden Handyvertrag war, kostet alles Zeit.
1-2 Wochen vorher muss man schon anfangen, weil zu packen hat man ja auch einiges, bzw. manche zu packende Dinge sind auch erst noch zu besorgen. So z.B. die auf vielen deutschen Webseiten als absolut essentiell bezeichnete Funktions-Regenjacke. An der man jeden deutschen Touristen schon auf 300m erkennt. Nen einfacher Regenschirm tut es nämlich für unser Technologie verliebtes Volk nicht. ( So eine Jacke gibt es übrigens für einen nachvollziehbaren Betrag im Galerie Kaufhof zu erstehen – hab für meine 70€ bezahlt. In den Outdoorläden fingen die hässlichen gerade mal bei 200€ an).
Ja und dann muss man sich auch noch überlegen, was man denn jetzt alles einpacke möchte. Weil man plant ja für 10 Monate im Voraus. Das ist schon krass. Da möchte man nicht zu viel mitnehmen, sonst schleppt man das die ganze Zeit ungenutzt mit sich rum, aber auch nicht zu wenig, sonst muss man noch unnötig Sachen erwerben die man eigentlich ja schon besitzt.

Mir ist das mit dem Packen nicht so ganz gelungen offensichtlich. Mein Rucksack fühlt sich verdammt schwer an. Ich frag mich nur, warum? Waren Fön, elektrische Zahnbürste, 4 Paar Schuhe, die 6 Bücher und der Anzug vielleicht doch zu viel?
Spaß, auf den ganzen Luxuskram habe ich natürlich von vornherein verzichtet (wobei mir das mit der elektrischen Zahnbürste wirklich schwer fiel!).
Ich habe jedenfalls am Hamburger Flughafen noch schnell ein Päckchen mit Sachen, von denen ich mir in letzter Minute überlegt habe, dass ich sie doch nicht brauche, gefüllt und nach Hause geschickt. Waren überraschenderweise noch einmal 3 Kilo.

Stolz auf dieses Glanzbeispiel guter Pack-Planung setze ich mich in das für die Economy Klasse vergleichbar komfortable Emirates Flugzeug und lande geschätzte 6h später in Dubai wo ich mich schon auf mein von Emirates gesponsertes Hotel freue (Stichwort „flugplanbedingte Übernachtung“). Meine Freude wird dann am Gepäckband erstmals getrübt. Mein Rucksack ist einfach nicht dabei. Für einen Moment überlegt man ja in einem solchen Moment, ob nicht die Möglichkeit besteht, dass das eigene Gepäck doch noch auf dem Band erscheint und sich einfach nur etwas verspätet hat. Passiert natürlich nicht und nach weiteren 5 min. unergiebigen Wartens tritt man meistens seinen Weg zum „Claim Lost Baggage“ Schalter an. So auch in meinem Fall. Während ich verschieden Möglichkeiten durchspiele, wie ich den potentiellen Verlust meines Backpacks in Sydney ausgleichen könnte und gleichzeitig abzuwägen versuche wie viel Wahrheit wohl eigentlich in den verbreiteten Horrorstories von verlorenem und nie wieder angefundenem Gepäck steckt, trete ich vor den Schalter und freue mich schon darauf mich gleich künstlich aufregen zu können, was im übrigen sonst nicht so meine Art, in einer solchen Situation aber durchaus angebracht ist. Die arabische Emirates-Service Mitarbeiterin (deren Ethnologischer Hintergrund eigentlich keine Rolle spielt, weil sie selbstverständlich perfekt Englisch sprach; den ich aber trotzdem erwähne um meinen Lesern einen umfassenderen Eindruck des Charakters meines Gesprächspartners vermitteln zu können – so macht das die Rosamunde Pilcher in ihren Romanen schließlich auch immer), begrüßt mich, vermutlich in Erwartung dessen, was gleich passieren wird, mit einem amüsierten und zugleich genervten Blick. Sie macht kurzen Prozess mit meiner künstlichen Aufregung und erklärt mir kurz aber eindringlich, dass mein Gepäck bereits auf dem Weg nach Sydney sei, was bei solchen Flügen Standard sei und im übrigen auch deutlich sichtbar in meinem Ticket vermerkt sei und mich die Kollegen in Hamburg sehr wahrscheinlich auch deutlich darauf hingewiesen hätten. Die letzteren beiden Sachen konnte ich eigentlich verneinen, beendete die Diskussion aber trotzdem mit einem „Thanks anyway. Bye“.
Naja immerhin ist es nicht verloren gegangen. Blieb nur noch ein Problem. Waschtasche („washing bag“ ist übrigens eine durchaus gebräuchliche englische Übersetzung dafür) und Schlafzeug waren im Backpack und ich musste ja eine „flugplanbedingte Übernachtung“ im Dubai Emirates Airport Hotel verbringen. In eben erwähnter Unterkunft gab es glücklicherweise einen 24h Duty Free Shop, wo die erworbene Zahnbürste und Zahnpasta mein Budget auch nur mit 10€ belastet haben.

Sieben Filme im Emirates On-Demand Bordkino und gefühlte 100h später lande ich tatsächlich am frühen Morgen am Sydney Kingsford Smith Airport um festzustellen es regnet. Aber immerhin ist es warmer Regen.
Nach unkompliziertem Einchecken in das im voraus gebuchte Hostel beschließe ich noch zu einer Sightseeing Tour aufzubrechen um mich so, trotz meiner bleienden Müdigkeit, dem lokalen Tag/Nachtrhythmus anzupassen und nicht vor 21 Uhr ins Bett zugehen um so dem Jetlag von Anfang an effektiv entgegen zu wirken . Das klappt zuerst auch ganz gut doch irgendwann so gegen 16.30 Uhr werde ich plötzlich so übertrieben müde, dass ich fast mitten im Gehen in all den Menschenmassen einschlafe. Ungelogen – ich hatte wirklich Angst einfach stehen zu bleiben und in Tiefschlaf zu verfallen. Zwei Dosen Redbull und ein Liter Coca Cola bringen mich dann doch noch ins rettende Hostel, wo ich noch zu folgendem Schluss kommen kann, bevor ich einen langen, tiefen Schlaf falle: Jetlag is a Bitch!!!
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