Mit dem günstigen Preis (im Vergleich zu Hotel, Motel, etc.) gehen bei Hostels jedoch einige Besonderheiten einher. So ist es nicht unüblich sich WC und Bad mit allen Gästen zu teilen, gleiches trifft auch auf die Hostelküche zu. Am gewöhnungsbedürftigsten mag jedoch der Fakt sein, dass man auch sein Zimmer mit anderen Gästen teilt. Wildfremden zumeist. Entweder dreien (4er dorm), oftmals fünfen (6er dorm) mitunter aber auch neunen (10er dorm). Die Räume sind zumeist auch nicht sonderlich groß. So habe ich bisher noch in keinem 4erdorm geschlafen der auch nur halb so groß wie mein Zimmer in Berlin ist. Aus Gründen der optimalen Auslastung wird in vielen Hostels auch auf eine Trennung nach Geschlecht verzichtet, so dass man oftmals sogenannte Mixed-Dorms antrifft….
Es mag überraschend klingen, aber man gewöhnt sich an das alles. Für mich ist es mittlerweile das normalste der Welt auf meinem Bett (das obere eine Doppelstockbetts) zu liegen und zu versuchen möglichst leise diesen Eintrag in meinen Laptop zu tippen, damit die zwei (leider recht durchschnittlich attraktiven) Däninen mit denen ich mir das 12m² Zimmer teile, um 21.43 Uhr in Ruhe einschlafen können.
Jedenfalls, und das ist der eigentliche Inhalt dieses Artikels, lernt man in Hostelzimmern die unterschiedlichsten Leute kennen. Angefangen bei diversen Iren, mit denen ich mir das Zimmer in Sydney teilen durfte, und die nichtmal „Hallo“ sagen wollten, über fiese glatzköpfige Briten bis hin zu illegalen aber sympathischen Neuseeländerinnen. Doch der Reihe nach:
Zu den Iren in Sydney gibts eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass sie nicht grüßten, sich wohl zerstritten hatten (war ein Pärchen) und komisch rochen. In Byron Bay übernachtete ich in der Arthouse Factory Lodge. Einem Hostel mit Hippie-Wurzeln, die jedoch handfesten kommerziellen Interessen gewichen sind. Für das 10 Mann Zimmer (das zugegeben sehr groß war) habe ich $28 die Nacht bezahlt. Da habe ich einige Leute kennengelernt, z.b. Dan aus Essex mit dem Master in Computer Science und Mathematics, der keine Lust mehr auf PCs hat und jetzt vielleicht Koch wird. Oder auch die drei niedlichen und sehr lustigen Kanadierinnen, von deren Namen ich nur noch weiß, dass sie alle mit „L“ anfingen. Die sind alle drei eigentlich Studenten, sind aber zum aktuellen Semester nicht in die Uni gegangen und versuchen jetzt in Australien herauszufinden, ob sie das Richtige studieren. Eine von Ihnen hat eine ausgeprägte Spinnenphobie und weigerte sich ihr Doppelstockbett zu betreten, so lange 3m über ihr diese kleine Spinne hing. Dabei muss angemerkt werden, dass dieser 10 Bett Raum nicht in einem richtigen Gebäude, sondern vielmehr in einer großen Wellblechhütte lag, die sich, wie das gesamte Hostel überhaupt, mehr im Dschungel als in der Stadt befand (siehe Bilder). Da kam es schon mal vor, dass einige Spinnen , die meines mir bei Wikipedia angelesenen Wissens nach, alle nicht giftig waren und wenn dann nicht so richtig schlimm, in den Ecken hingen.
Ich konnte die Spinne dann erfolgreich entfernen und das Mädchen darauf hinzuweisen, dass Australien bei ihrer Spinnenphobie vielleicht nicht das geeignetste Reiseland für sie darstellen könnte.
In Surfers Paradise durfte ich einen ganz besonderen Zimmergenossen kennenlernen. Der Name ist mir leider entfallen, aber er klang irgendwie gemein und britisch. Sagen wir Edward.
Ich hatte das Vergnügen Edward zu begegnen als ich um 10.00 Uhr morgens im Hostel ankam und das erste Mal mein Zimmer betrat. Edward war geschätzte 31,4 Jahre alt, glatzköpfig, Brite und hatte erkennbares Übergewicht, welches sich in voller Pracht in mein Sichtfeld drängte, da Edward unbekleidet schlief. Der allgemeine Zustand des Zimmers konnte den ersten Eindruck den Edward auf mich machte leider in keinster Weise verbessern. Das Zimmer war wirklich dreckig und sehr sehr unaufgeräumt. Es sah so aus, und das war höchstwahrscheinlich auch der Fall, als würde Edward schon ziemlich lange alleine in diesem 4Mann Zimmer wohnen. Die anderen 3 Betten waren nicht belegt, der Kram der rumlag (Britische Klatsch/Tratsch Magazine, mehrere Stapel englischsprachiger DVDs) ließen sich ihm spontan und ohne Zweifel zuordnen.
Nach zwei weiteren Minuten in dem Zimmer fielen mir die vielen Tablettenschachteln und zwei Hemden mit dem Aufdruck „Security“ auf. (Ich bin immer noch der Meinung, dass nur Idioten T-Shirts mit einem Security Aufdruck tragen, aber bei Edward hatte das andere Gründe auf die ich im folgenden noch eingehen werde).
Zu den bereits nicht sehr vorteilhaften optischen Eindrücken gesellten sich dann noch Wahrnehmungen olfaktorischer und akustischer Natur, in Form von lautem Schnarchem im Wechsel mit undefinierbaren Grunzgeräuschen sowie einem wirklich merkwürdigen und seeeehr seeehr intensivem Geruch die das/mein Gesamtbild von Edward abrundeten.
Während ich dem Hostel-Manager in Gedanken für die gelungene Zimmerzuteilung dankte, machte ich mich auf den Weg nach Dreamworld, einem Erlebnispark in der Nähe. Am späten Abend heimgekehrt, redete ich mir ein, dass ich mit meinem ersten Eindruck von Edward ja auch falsch liegen könnte und ihm eine zweite Chance geben sollte.
Diese hat er dann ziemlich schnell verspielt als er mich anfuhr, warum ich ihn heute morgen geweckt hätte. Er arbeite schließlich die ganze Nacht und brauche den Schlaf tagsüber. Mir fiel darauf nicht viel ein, da ich einerseits, nachdem ich realisiert hatte, dass unter dem Übergewicht ein breiter und fieser Typ steckt, nicht sonderlich an einem wie auch immer gearteten Streit interessiert war, andererseits mich jedoch im Recht sah (soll er doch in ein Einzelzimmer ziehen wenn er Tags über schlafen möchte) und mich deshalb nicht entschuldigen wollte. Deshalb fragte ich, was er denn arbeite, woraufhin er mir erklärte er mache Security. Daher also die T-Shirts.
Es stellte sich dann heraus, dass Edward „Nachtwächter“ in dem Hostel war. Das war einerseits merkwürdig, da ich nicht wusste dass man so etwas braucht und zuvor noch nicht gesehen habe. Andererseits war Edward als Nachtwächter einfach eine sehr lustige Erscheinung, wie er da am Eingang saß mit seinem Security T-Shirt unter dem schwarzen Trenchcoat bei 25°C Außentemperatur, das Mini-DVD Wiedergabegerät auf dem Schoß, und mir mit einem extra grimmigen Nicken Eintritt gewährte.
Das war also Edward, der wahrscheinlich gar nicht Edward hieß.
Später am Abend kam dann noch Richard, Ende 20 aus München, in das Zimmer. Wir verstanden uns ganz gut und ich hielt ihn eigentlich für einen netten Typen. Diese Einschätzung musste ich nachts um 3 jedoch leider revidieren als Richard nach Hause kam und es für angebracht hielt seine Matratze die sich in dem Bett unter mir befand (Stichwort Doppelstockbett) unter Benutzung der vollen Zimmerbeleuchtung auszuwechseln, da er sie für zu hart befand. So gelang es ihm mich aufzuwecken und mir noch eine gute Nacht zu wünschen. Fand ich nett.
Ich habe dann das Zimmer gewechselt wegen Edward, und Tieren die in einem anderen Beitrag näher erläutert werden, und traf auf Keith (England), Mart(Estland) und Claudine (Neuseeland) die sehr gut befreundet (Mart&Keith) bzw. ein Paar (Mart&Claudine) waren. Die drei waren lustig drauf. Mart war seit 10 Tagen in Australien und hatte bereits sein ganzes Geld (1200€) in den lokalen Wirtschaftskreislauf eingebracht. Claudine war „illegaler“ Untermieter in dem Zimmer (d.h. sie bezahlte nichts) und schlief neben Mart im Bett. Sie war gerade in ihrem Call Center Job gekündigt worden und pleite, bestand aber trotzdem darauf mein Bier in der Bar zu bezahlen. Claudine gab, trotz ihres auch recht jungen Alters (23) einige sehr weise Sachen von sich die mich wirklich inspiriert haben. Ich bin froh die drei getroffen zu haben.
Das beendet nun meine (etwas sehr ausführlich gewordene) Abhandlung über Zimmergenossen in Hostels.
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