Mittwoch, 22. Oktober 2008

Begegnungen der unerfreulichen Art

Surfers Paradise, 22.10.2008

Wie wir alle wissen ist Australien ja ein mit ungeliebten Reptilien und Insekten reichlich gesegnetes Land. Europäische Medien vermitteln sogar den Eindruck dass wo man geht und steht in Australien sich in Acht vor gefährlichen Spinnen und Schlangen nehmen muss. Ich hatte sogar wirklich Bedenken ob die giftigen Reptilien und Insekten eine reale Gefahr für mich darstellen. Nach zwei Wochen hier sehe ich das wesentlich entspannter. Ich habe nicht eine gefährliche Spinne oder Schlange gesehen, obwohl selbst auf Australien spezialisierte Internetseiten mir erklären wollten, dass man in selbst in der Millionenmetropole Sydney gute Chancen hat auf gemeine Redback Spiders oder Sydney Funnelwebs zu treffen..
Der von mir zunehmend mehr geschätzte Lonely Planet teilt im Übrigen meine Einschätzung. So erklärt er, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Tod durch einen Spinnenbiss gab. Weiterhin sterben pro Jahr nur 1-2 Menschen durch Schlangenbisse, einer durch eine Haiattacke und ein weiterer durch Krokodile. Mit ca.2 Todesopfern ist diese eine fiese Quallenart (Irukandjis) genau genommen das gefährlichste Tier in Australien. Nichtsdestotrotz ist es immer noch ungefähr hundert mal wahrscheinlicher zu ertrinken als von einer der oben genannten Kreaturen getötet zu werden.

So weit so beruhigend. Das heißt jedoch nicht, dass man auf gar keine Insekten in Australien trifft.
Ich durfte diese Woche mit einer optisch eher benachteiligten Art Bekanntschaft machen: der australischen Kakerlake.
Bei den Sympathiewerten ungefähr auf gleichem Niveau mit ihren deutschen Brüder und Schwestern unterscheidet sie sich von letztgenannten vor allem durch Aussehen und Auftreten. An Körpergröße und Schulterbreite den germanischen Artverwandten deutlich überlegen, der Panzer auf Grund des sonnenverwöhnten Lebensraums Gold-gebräunt, ist nicht zuletzt ihre entspannte Laid-Back Lebensweise (sie kann fliegen!) ihr charakteristischstes Merkmal. Doch zu ihren Besonderheiten später mehr.

Es war jedenfalls in diesem Rattenloch von Hostel in Surfers Paradise mit dem bezeichnenden Namen „Backpackers in Paradise“. Nachdem ich ja die unbeschreibliche Freude hatte Edward (siehe anderen Eintrag) kennen lernen zu dürfen, bin ich abends nochmal weg und ca. 1 Uhr nachts nach Hause gekommen. Während der gewohnten und mir immer vertrauter werdenden im Hostel zu Bett Geh Routine sehe ich plötzlich etwas über den Teppichboden huschen. Es war eine Kakerlake (zu englisch: cockroach – interessante Randnotiz: sowohl die deutsche und auch englische Bezeichnung dieses Insekts klingen nicht sehr nett, also so lautmalerisch. Gibt es da einen Zshg.? – Frage an alle hier versammelten Sprachwissenschaftler). Während ich mich noch wunder, wo die denn jetzt plötzlich herkommt und was sie hier will, machen sich meine Hände selbstständig und werfen den Papierkorb auf das arme Tier. Zu meiner und aller Anwesender Überraschung macht es Spwlatsch (das ist die deutsche Übersetzung – in der englischen Originalfassung hat es „Splatch“ gemacht) und das arme Tier ist hin. So war das eigentlich nicht geplant. Man liest doch immer diese Geschichten von diesen supertoughen Kakerlaken. Härteste Schale überhaupt und einziges Tier, das einen Atomangriff überlebt und so.
Während mein Gehirn noch versucht das eben Geschehene zu begreifen und mit bereits vorhandenen Informationen zu verknüpfen (O-Ton mein Gehirn: „Jaja Atomangriff überleben und so und sich dann von nem Plastepapierkorb zerquetschen lassen oder wie? Harte Schale? Das ich nicht lache. Vielleicht hatte ich einfach nur ein softes Exemplar vor mir? Überhaupt, das ging zu einfach! Wieso ist die jetzt schon tot? Das war ja fast langweilig. Irgendwie auch doof jetzt. Naja immerhin Problem gelöst. ) und ich das neu entstandene Muster auf Teppich und Tapete bewundere, zu dem Kakerlakes Innereien nicht unerheblich beigetragen haben, wandern plötzlich 6 weitere Schaben fröhlich aber doch etwas nervös an mir vorbei.
Das ist mir dann doch zu viel. Mit einer konnte ich es noch aufnehmen, sechs überfordern einfach meine koordinativen Fähigkeiten. Ich gebe mich geschlagen - lasse Kakerlaken Kakerlaken sein – räume meine Sachen aus der Schusslinie auf den Tisch und ziehe den Rückzug in mein Hochbett (Doppelstockbett) vor.

Am nächsten Morgen suche ich den Manager des Hostels auf und bitte ihn mir mein Geld für eine zweite Nacht zurückzuerstatten, die ich mit Hinweis auf meinen unliebsamen Besuch , nicht mehr anzutreten gedenke. Unser Streitgespräch lief so oder so ähnlich ab:

Ich: Morning. I have a short question.
Manager: Mhmm.
Ich: Are cockroaches part of the paradise experience your hostel offers?
Mg: Mhmm, Why?
Ich: Because I saw a couple of them in my room last night!
Mg: Really?
Ich: Ja! It was disgusting.
Mg: How many did you see?
Ich: Well like 10 or so. They were all over that place (an der Stelle habe ich natürlich bewusst übertrieben ).
Mg: Small ones or big ones?
Ich: I don’t know. There were fu**** Cockroaches man!
Mg: Yeah, you told me already. So you don’t know if they were small or big?
Ich: No! And I don’t even care! Anyhow, I just want to checkout now and my money for tomorrow night bag.
Mg: We don’t do refunds.
Ich: You don’t do refunds?
Mg: Jap, We don’t do refunds.
Ich: Well, I still want my money back!
Mg: Fine, but we don’t refunds.
Ich: Yeah you already told me that. I still want my money back.
Mg: Well I got that, but we simply don’t d refunds.

Das ging dann noch eine Weile so und er hat mir schließlich angeboten das Zimmer zu wechseln, was ich angesichts seiner Uneinsichtigkeit bzgl. der Refunds dann auch gemacht habe, nicht jedoch ohne ihn darauf hinzuweisen, dass ich sein Hostel für das allerletzte halte, allen, und zwar wirklich allen, meinen Freunden erzählen werde was das hier für ein Rattenloch ist, und ich habe viele Freunde, die alle Backpacker sind, dass ich böse Emails an den Lonelyplanet schreiben werde und sein Hostel auf allen Bewertungsseiten im Internet durchfallen lassen werde.
Ließ ihn alles ziemlich kalt irgendwie.


Später erklärte mir wikipedia dann dass es ein paar entscheidende Unterschiede zwischen deutschen und australischen Kakerlaken gibt (die heißen übrigens wirklich so – der korrekte englische zoologische Name ist „German Cockroach“). Australische Schaben kommen nämlich auf Grund des warmen Klimas hier einfach so in der Natur vor und verirren sich ab und zu auch mal in Häuser. Ihre deutschen Verwandten hingegen können in der deutschen Natur eigentlich nicht überleben und sind daher auf Gebäude als Lebensraum angewiesen. Sie sind damit ein Anzeichen für wirklich unhygienische Verhältnisse in D., weil sie nicht eben gestern erst durch die Scheibe ins Haus geflogen sind sondern da schon ne ganze Weile leben und dazu noch ganz fiese Krankheiten übertragen können. Australische Kakerlaken übertragen nix und werden deshalb auch nicht als Zeichen für super krass unhygienische Zustände angesehen.

Ein Nachtrag zu den oben zitierten Statistiken der Todesopfer. 2009 dürfte da leicht drüber liegen – so wurden alleine zu Jahresanfang am Bondi Beach in Sydney zwei Surfer von Haien getötet. Die wollen da jetzt die Netze verbessern in der Bucht – fällt ihnen früh ein.

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