Dienstag, 14. Oktober 2008

Byron Bay im Tagebuchstil

Byron Bay, 14.10.2008

Ich war insgesamt 4 Tage in Byron Bay. Nachfolgend eine Beschreibung der beiden erinnernswertesten Tage.


Tag 3 – Sonntag

Um 09.00 Uhr aufgestanden, geduscht, gefrühstückt, etc. pp.
Um 10.00 Uhr in den Hippie-Bus von Jim gestiegen. Jim von Jim's Alternative Tours. Was an seinen Touren alternativ war habe ich bis heute nicht rausgefunden, der Preis war es jedenfalls nicht, $30 für eine Busfahrt / Tagestour fand ich grenzwertig, aber Jim hatte sich einen Namen gemacht und wurde weiterempfohlen.
Der Bus fuhr nach Nimbin. Einem kleinem Ort im Hinterland von Byron Bay...
Nimbin ist eine Art Kommune für Hippies und wird auch als das Amsterdam von Australien bezeichnet, da man sich mehr oder weniger legal mit Drogen (vornehmlich Marihuana) eindecken kann. Als ich das erfuhr war ich doch überrascht , denn das war nicht das eigentliche Ziel meines Trips und stand auch so nicht im Reiseführer. Aber egal, lass ich mich einfach überraschen dachte ich mir. Jim war mehr DJ als Busfahrer und hatte für jede Wegstrecke den passenden Song, was im übrigen sehr cool war, da er einen ausgewählten Rock/Pop Geschmack besaß. Außerdem erzählte er lustige Geschichten von früheren Touren und bekifften Fahrgästen. In Nimbin angekommen wurde mir relativ schnell klar, dass das mit den Hippies schon lange vorbei war. War mehr so ein Touristennepp mit ein paar Regenbogenfarbenen Hausfassaden, einigen heruntergekommenen Dealern, vielen normalen Leuten und Cookies verkaufenden Hippie Omas. Das beste Marihuana soll es übrigens vor der Polizeistation geben, habe ich mir später mal erzählen lassen. Wir haben uns dann das Museum angeguckt, bei dem ich mir bis heute noch nicht klar bin, was es aussagen wollte, und fanden uns dann im Hinterhof des Museums wieder, wo eine der besagten Hippie-Omas selbst gemachte Kekse anbot. Die ich mit Rücksicht auf potentielle minderjährige Leser, natürlich nicht für $5 das Stück erworben hab. Auf der Rückfahrt sind wir dann durch einen Nationalpark gefahren. Das war ein subtropischer Regenwald. Wunderschön. Mit echten Koalas :-)
Jedenfalls hatten einige Mitreisende sich mit Keksen eingedeckt und die offensichtlich auch verzehrt. Das blonde Mädchen vor uns versuchte uns zu überzeugen, dass sie ihre Zunge und ihr Gesicht nicht mehr spürt und gar nicht versteht warum sie überhaupt noch sprechen kann. Viel lustiger war jedoch ihre Nachbarin. An der Stelle muss ich nochmal kurz ausholen. Der Bus in dem wir gefahren sind war schon ziemlich alt und auch relativ groß, Modell Schulbus, vermutlich nicht einfach zu steuern. Die Straßen die wir in dem Nationalpark benutzt haben waren wirklich eng, steil und nicht im besten Zustand mit wunderschönen Panoramen in die Tiefe nur 1m von der Straße entfernt. Jedenfalls steht dieses Mädchen auf, geht nach vorne und sagt (so hat es Jim später erzählt): "Ich weiß, das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber ich will jetzt diesen Bus fahren!". ….
Jim konnte sie dann wohl irgendwie überzeugen, dass das doch nicht die beste Idee ist und wir sind dann noch zu einem lokalen Hippie Markt gefahren der eigentlich ganz nett war. Ich hab echtes organisches Bananeneis gegessen und war bei einer Wahrsagerin. Wird alles gut hat sie gesagt und ich soll mich mal wieder bei meiner Exfreundin melden. Außerdem werde ich nie Geldsorgen haben und meinen Weg im allgemeinen und insbesondere zu meinem spirituellen Ich finden. Außerdem soll ich nie aufhören zu reisen. War ich mit einverstanden :-) und war mir die $25 wert. Das interessanteste daran war jedoch, dass die Wahrsagerin aus Berlin kam. Das wusste ich nicht als ich mich dafür entschieden hatte. Das nenn ich mal Schicksal und so.
Zurück im Hostel war ich dann nicht von der verspätet stark einsetzenden Wirkung der nicht erworbenen Kekse überrascht und habe deshalb auch nicht auf das Feierabendbier verzichtet.

Tag 4 – Montag

Bin um 05.10 Uhr aufgestanden. Auf Duschen und Zähneputzen verzichtet. Um 5.20 Uhr fuhr der Shuttlebus von der Hotelrezeption zum Byron Bay Leuchtturm. Als wir ankommen ist es noch dunkel. Der Leuchtturm ist der stärkste in ganz Australien und der östlichste Punkt auf dem australischen Festland. Um 6.00 Uhr geht die Sonne auf. Der Tag erwacht. Der Sonnenaufgang ist wunderschön, mir gelingen ein paar gute Bilder. Der Minibus bringt uns wieder zurück zum Hostel. Um 7 Uhr duschen und Zähneputzen. Ein super Gefühl so früh wach und frisch zu sein, den ganzen Tag noch vor sich zu haben. Ich habe Toast, Marmelade und Kaffee zum Frühstück. Danach etwas im Internet surfen und mit Deutschland skypen. Daheim geht der Tag gerade zu Ende, 9h Zeitunterschied.
Entscheide mich dann doch noch für die Kayaktour auf dem Meer. $60 kommen wieder, Kayaktouren auf dem Meer in Byron nicht.
Die Tour ist geführt und verspricht "Delfine sehen-oder nochmal umsonst mitmachen", sowie mit etwas Glück Wale und Schildkröten. Nach umständlichen Sicherheits- und Kanubenutzungsanweisungen, die ich nur halbherzig verfolge geht's auch schon los. Bei strahlendem Sonnenschein mit dem Kayak raus in die Byron Bucht. Das Kayak fahren macht wirklich Spaß trotz der vielen Wellen und ich nehme mir vor das von nun an öfter zu machen. Bereits kurz hinter dem Strand sehen wir einige große Meeresschildkröten. Die fetzen. 15min später sehen wir den ersten Wal in der Ferne. Wir paddeln näher ran. Auf meine Frage hin wie weit man sich an die Wale ranwagen kann, meint der Tourguide: Probier es aus. Das hab ich dann und auf einmal waren da ganz viele Wale. 6 Stück oder mehr. Teilweise Mutter mit Kalb. Alles Buckelwale. Die waren wirklich riesig. Der Tourguide war auch ganz überrascht und meinte das hätte er noch nie erlebt, dass soviele da waren und vor allem dass die Tiere so dicht an die Kanus kamen. Mehrere Wale sind unter uns durchgeschwommen und ganz dicht an uns vorbeigeschwommen. Teilweise weniger als 3 Meter von uns weg sind sie aufgetaucht und haben Luft geholt. Das war wirklich sehr beeindruckend. Der Tourführer meinte später, das wäre wie ein Lottogewinn. So gering war die Chance so viele Wale aus so geringer Entfernung zu sehen. Mich hats gefreut und ich hab mir eingebildet die Meeressäuger hätten das nur für ich gemacht :-)
Auf dem Rückweg haben wir noch einige Delfine gesehen, aber die waren wohl schlecht drauf, vermutlich weil die Wale ihnen die Show gestohlen hatten, jedenfalls waren sie schnell wieder weg. Das coole an Meerkayaks ist dass sie für die Benutzung auf dem Meer ausgelegt sind. Wir sind dann mit dem Kayak an den Strand gesurft. Das macht richtig richtig viel Spaß wenn man die Welle richtig erwischt. Ist wie richtiges Surfen nur mit dem Kayak statt dem Surfboard halt. Habs dann etwas übertrieben und auf die besonders große Welle gewartet, die ich in den ersten 5 Sekunden auch ganz gut erwischt habe. In den nächsten 5 Sekunden geriet das ganze etwas außer Kontrolle und ich wurde seitlich von der Welle erfasst um mich dann 20 Sekunden später gut durchgespült am anderen Ende des Strandes wiederzufinden. Schön Wasser geschluckt und Sonnenbrille verloren, konnte aber trotzdem lachen.
Nach der Tour habe ich mich dann für 2-3h noch an den Strand gesetzt. Entspannt sonnenbaden, wobei ich das erste mal gesehen hab, wie schön der Strand in byron wirklich ist. Bin dann auch nochmal kurz baden in der Hoffnung ich könnte meine Sonnenbrille noch irgendwo im Wasser finden. War natürlich eine komplett bescheuerte Idee. Egal.
Hab dann noch ein bisschen Lebensmittel im Woolworth geshoppt und bin zurück ins Hostel wo ich die nächsten 2h mit meiner weiteren Reiseplanung verbracht habe.
Um 17 Uhr ist im Hostel dann so eine Führung gestartet bei der einem gezeigt wurde, welche Pflanzen im Dschungel essbar sind, welche Maden lecker sind, wie man Feuer macht und alles drum herum und so. Der Typ war zwar wirklich komisch drauf, aber interessant war es trotzdem.
Der Tag wurde dann standesgemäß mit Zimmergenossen, Bier und selbstgemachter Musik abgeschlossen. So kann man leben :-)

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