Donnerstag, 30. Juli 2009

Angekommen?

Berlin, den 30.Juli 2009

„Erwarte nicht zu viel“, hatte sie gesagt, die niedliche Emirates Stewardess aus Schwerin mit Wohnsitz in Dubai. Sie saß mir gegenüber, bei Start und Landung auf meinem finalen Heimflug Hamburg-Dubai. Wir unterhielten uns sehr nett über Reise- und Lebenserfahrungen, andere Länder und Kulturen, das Fliegen, Dubai (ich versuchte mir mein Mitleid über ihre Dubaier Wohnsitzentscheidung nicht anmerken zu lassen – siehe hierzu auch meinen Dubai-Beitrag), und darüber was es heißt im Nach Wende Mecklenburg Vorpommern aufgewachsen zu sein. Ich erklärte ihr, dass ich das erste Mal 10 Monate lang nicht in Deutschland gewesen bin und jetzt alles anders sei. Sie meinte das finde sie gut, jedoch würden viele Menschen, die nie so eine Reise unternommen haben, so gut wie überhaupt keine Vorstellung davon haben was das bedeutet und deshalb Freunde und Familie nach den ersten Fragen und Fotosessions recht schnell das Interesse an Reiseabenteuern und Erkenntnissen verlieren. Deshalb empfiehl sie mir nicht zu viel zu erwarten und somit möglichen Enttäuschungen vorzubeugen. Im Großen und Ganzen sollte sie recht behalten.

Ich melde mich hier aus Woche zwei nach Wiedereintritt in den deutschen Orbit und muss sagen die Anpassung ging überraschend schnell und überraschend gründlich. Doch der Reihe nach.
Der Emirates Flug von Dubai nach Hamburg war wie immer top und nach nur 2einhalb Kinofilmen setzten wir auch schon zur Landung in Fuhlsbüttel an. Die Hinweise der niedlichen Stewardess noch im Ohr begab ich mich auf den Weg zum Gepäckband. Die Hinweisschilder und Beschriftungen waren alle in deutsch . Fand ich nett, wäre aber gar nicht nötig gewesen – auf englisch hätte ich sie schließlich auch verstanden. Deutsche Denkweise begrüßte mich dann schon bei den Koffertrollies, da war ich noch nicht einmal durch die Passkontrolle. Um einen Trolliy zu benutzen musste man nämlcih 50 Eurocent als Pfand in den dafür vorgesehenen Schlitz stecken. Diese hat der durchschnittliche Nichteuropäer natürlich nicht zwangsläufig dabei. Ich übrigens interessanterweise schon, denn ich hatte selbiges 50Cent Stück seit 10 Monaten mit mir rumgetragen, wohlwissend dass ich es irgendwann schon noch gebrauchen kann. Das kam mir übrigens sehr gelegen, denn ich hatte mich spätestens in Bangkok von meinem „Travel Light“- Konzept verabschiedet und ich schleppte seitdem einen Anzug+Mantel, sowie einen mittelgroßen Rollkoffer mit Souvenirs mit mir herum, zusätzlich zu meinem 90 Liter Backpack und dem Daypack. Bei der Zollkontrolle entschied ich mich für das grüne Tor und trotzte den suchenden und erfahrenden Augen der Zöllner (und Zöllnerinnen) mit meinem Unschuldslammblick, der zugleich ein gehöriges Maß Selbstvertrauen und unbekümmerte Fröhlichkeit ausstrahlte. Anscheinend hat er funktioniert, ich wurde nicht zur Nachkontrolle gebeten, obwohl Zweifel an der Echtheit der einen oder anderen von mir in Thailand erworbenen „Markenware“ auf Grund des lachhaft günstigen Preises durchaus angebracht waren. („Wie, ne Fälschung Herr Zollmeister? Also das hätte ich nun wirklich nicht vermutet! Ich dachte eigentlich 7€ wären ein normaler Preis für Adidas Sneakers in Thailand wegen dem geringeren Lebensstandard und so ne….“)
Eltern und Bruder nach so langer Zeit wieder zu begrüßen ist sehr schön und zugleich surreal –„Ihr jetzt hier das aber nen cooler Zufall, na das freut mich aber, achso das war ja abgemacht und so ne.“
Auf dem Weg nach Neubrandenburg stoppen wir noch bei meiner Oma zum Grillen. Gutes deutsches Grillfleisch und Bier läuten eine Reihe von „Ersten Mal(s) seit 10 Monaten…“ ein, die noch ein paar Tage anhalten sollte und mich immer wieder überraschte an was man sich alles gewöhnen kann und mit wie wenig man sich zufrieden geben kann. Um nur einige „Erste Mals“ wiederzugeben:

  • Grillfleisch auf dem Holzkohlegrill – Australien bezeichnet sich zwar als die Grill (BBQ) Nation schlechthin, aber das Fleisch auf ihren Gasgrillgeräten da warm machen ist doch aromamäßig sinnbefreit, da kann ich es gleich in die Pfanne hauen
  • Echtes Bier – das in Australien ist zu 95% nen Witz, es sei denn man trinkt es bei 4°C und hatte schon vier. Das Asiatische Bier war übrigens überraschend gut, hier positiv hervorzuheben sind Leo Bier (Thailand), Beer Lao (Laos), sowie Angkor Beer (Kambodscha) – letzteres jedoch weniger wegen des eher durchschnittlichen Geschmacks sondern vielmehr wegen des genialen Slogans: „Angkor- My country, my Beer)
  • Eine kalte Dusche nehmen mit Wasserdruck der diesen Namen auch verdient. Ich als bekennender Wechselduscher vermisste so richtig kaltes Wasser ab und zu ja schon. Das gab es in meinen Reiseländern auf Grund klimatischer Gegebenheiten einfach nicht. Wenn sich der Boden auf Grund der Sonneneinstrahlung in Australien aufheizt, heizen sich eben auch die Wasserleitungen auf und wenn man den kalten Hahn aufdreht kommts eben lauwarm raus. Ist natürlich nicht der Weltuntergang, aber ein Beispiel für Dinge die man so als gegeben hinnimmt. (In Dubai hieß lauwarm übrigens 40°C – „Kalt“ Duschen war da dann auch nicht das Abkühlungsmittel der Wahl; in Südostasien hatte ich in vielen Hotels/Guesthouses z.T. auch das umgekehrte Problem: es gab auf Grund mangelnder Infrarstruktur kein warmes Wasser. Aber ein Reisender gewöhnt sich an alles, und das war den Euro den man gegenüber de besseren Guesthouse gespart hat auf jeden Fall wert.
  • Einen Föhn – Luxusartikel. Haare trocknen auch so. Gehört nicht in ein Backpack – nicht einmal bei Frauen
  • Haargel/wachs – spätestens in Asien von mir nicht mehr benutzt.
  • Die elektrische Zahnbürste – Hach wie habe ich dich vermisst, Wunderwerk der Zahnputztechnik.
  • Ein Bad nehmen – Hatte ich besser in Erinnerung. Ist wahrscheinlich sone Herbst/Winter Geschichte.
Dieser Eintrag bleibt leider unvollendet.... Read more..

Sonntag, 28. Juni 2009

Grüße aus Phnom Penh

Heute ist mein vierter Tag in Kambodscha. Bin soeben in der Hauptstadt Phnom Penh angekommen und gönne mir eine überteuerte Coke ($2) mit Wasserblick und kostenlosem WiFi.
Kambodscha ist wesentlich entwickelter und westlicher als gedacht, v.a. wenn man bedenkt, dass vor kaum mehr als 15 Jahren die roten Khmer noch eine ernstzunehmende Rebellenbewegung waren und mit ihren gelegentlichen Überfällen auf Touristen nicht sehr zuträglich für die wirtschaftliche (und touristische) Entwicklung dieses Landes waren.
Wie auch immer. Demnächst mal mehr. Hier erstmal noch ein paar "neue" Bilder von Australien:


Broome - Besser wirds nicht!


Letzter Roadtrip - Broome nach Darwin


Die finalen Tage in Darwin + ein letztes Mal Sydney
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Sonntag, 7. Juni 2009

Sydney - Der Kreis schließt sich

Ich sitze hier gerade im McDonalds am Circular Quay, einen Katzensprung von Opera House und Harbourbridge entfernt und "genieße" meinen ungenießbaren Kaffee. Ich war schon einmal hier. Am 4.Oktober 2008. Meinem ersten Tag in Australien. So schließt sich der Kreis. Der Himmel ist wieder grau. Ich trage wieder meine Regenjacke und bin wieder müde.
Irgendwie ein komisches Gefühl, dass dieses, mein großes australisches Abenteuer nun schon vorüber sein soll. Aber das ist es wohl.In 8h geht mein Flieger nach Bangkok und ich plane eigentlich da einzusteigen.
Wie auch immer. Später mehr. Jetzt erstmal noch ein paar Bilder von dem Trip nach Broome.

My Last Trip: Perth - Broome, der erste Versuch


My last Trip: Perth-Broome Versuch Nr.2
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Mittwoch, 27. Mai 2009

Broometime.....

Bin jetzt schon seit fast einer Woche in Broome. Ist ganz schoen hier. Bisschen doll heiss. Aber der Strand (Cable Beach) ist echt genial. Ist ja nicht umsonst der sechst schoenste der Welt (wer auch immer so etwas festlegt) und der Sonnenuntergang hier ist einfach magisch. Die Zeit hier fuehtl sich tatsaechlich mal nach Urlaub an. Und ich mache den ganzen Tag auch nichts. Diesen sehr entspannten aber auch irgendwie unproduktiven Zustand nennen die Locals uebrigens "Broome Time". Laesst sich aushalten.

Meine Blogschreibedisziplin ist natuerlich alles andere als vorbildlich, aber ich verspreche noch einige der verrueckten geschichten die ich hier erlebt habe niederzuschreiben bevor ich wieder Fuss auf deutschen Boden setze. Andererseits muss ich zu meiner verteidigung sagen, dass es mir die Internetbedingungen auch nicht gerade leciht machen im Internetentwicklungsland Australien. W-Lan ist super slow - ich glaube da haben die in Addis Abeba und Djibuti ne bessere Leitung und die Internet Terminal PCs sind alle gut Trojanerverseucht. Naja und billig ist es auch nicht gerade mit AUS$6 pro Stunde und das wo doch der Wechselkurs jetzt so boese gefallen ist und ich aufeinmal 20% aermer bin. $6 die Stunde ist uebrigens noch guenstig. Zwischendurch habe ich Internet fuer AUS$2/5min gesehen. Da schreibt man keine langen Blogeintraege :-)

Wie auch immer, in der Zwischenzeit ein paar neue Bilder zum Zeitvertreib:
Fruitpicken, Sightseeing und Zugfahren

Roadtrip: Tal der Riesenbäume, Riesenwellen, Riesig tolle Strände

Vier Wochen in Perth
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Sonntag, 10. Mai 2009

Abgeflogen

Habe meinen Rückflug umgebucht.
Am 14. Juli 2009 werde ich um 13.45 in Hamburg Fuhlsbüttel landen.

Nochmal eben meinen Grobplan bis dahin:

  • Morgen früh auf den Weg nach Darwin machen. Reise mit Christian aus Montreal und Agnes aus Hongkong zusammen. Christian hat nen Van - das spart mir die Kosten fürs Mietauto. Außerdem spricht er Englisch mit einem frannzösischem Akzent, was ich sehr lustig finde. Wir haben insgesamt 4 Wochen Zeit. Mein letztes großes Abenteuer auf diesem Kontinent.

  • Am 07. Juni fliege ich von Darwin nach Sydney und von da nach Bangkok.

  • Verbringe dann knappe 5 Wochen in Thailand, Laos und Kambodscha. Details gibts hier so richtig noch keine.

  • Am 11. Juli dann von bangkok nach Dubai wo ich noch einmal 3 Tage Zeit zum Erkunden von Dubai bei 45°C im Schatten habe. Das wird bestimmt auch "interessant" ;-)

Jaja. So schnell kann die zeit vergehen. Da ist dieses, mein großes Abenteuer, auch schon wieder fast vorbei. Read more..

Sonntag, 3. Mai 2009

Finally

Nach stundenlanger Suche habe ich endlich herausgefunden, was ich machen möchte, wenn ich zurück nach Deutschland komme:

Einen Master in Brauwesen und Getränketechnologie.
Bis vor kurzem habe ich noch gar nicht gewusst, dass es sowas gibt.
Was gibt es schöneres als sein eigenes bier zu brauen?

Ich sehe die verschiedenen von mir produzierten Sorten schon vor mir:

  • Blocks - der Klassiker in Grünen Flasche
  • Blockiröder - die Mid-Class Segment Variante
  • Blockerhofer Weizen - Für die süddeutschen Kunden
  • Blocksteiner - Up-market Brand , hoher Preis aber eigentich nen Scheiß Bier
  • Blocki Export - würzig, süffig - absolute low cost Marke (wird übrigens zusammen mit Blocksteiner gebraut werden)
und für die internationalen Kunden:
  • Despeblockos - mein Bier für den Internationalen Markt mit dem Hauch von Lateinamerika

  • Blockipramen - aus der Geburtsstadt des Biers

  • Blocksberg - Das skandinavische Bier (Hier bin ich mir bei der Benennung angesichts bereits bestehender Markenrechte von Figuren in Kinderhörspielserien jedoch noch etwas unsicher)
Und zu guter letzt: Die Getränkerevolution. Ein völlig organisches Kultgetränk auf Basis von Fermentation: Die Blockinade. Sowas gabs noch nie

;-)
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Mittwoch, 25. März 2009

Ein Blog – jetzt doch oder wie?

Glenelg bei Adelaide, 23.03.09


Ja. Ich habe es jetzt doch endlich geschafft mir das hier einzurichten. Hauptsächlich weil ich zu faul bin allen Leuten immer wieder das Gleiche per E-Mail zu schreiben. Da ist dieses Kommunikationsmittel dann doch praktischer.
Bisher habe ich hier ein paar Einträge/Artikel hochgeladen, die ich seit Oktober angefertigt habe und so mit mir rumgetragen habe. Ist jetzt nichts hochkulturelles oder literarisches oder so. Bin eben doch keine Rosamunde Pilcher. Aber mitunter ist es an der einen oder anderen Stelle ganz unterhaltsam – Versprochen.

Über Lob, Kritik, Anregungen und allgemeine sinnbefreite Kommentare würde ich mich sehr freuen.


Blocki

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Donnerstag, 19. Februar 2009

Flying into Melbourne

Heute: Gedanken in Stichpunkten:

*Adrenalin ist lustig.

04:20 Uhr aufwachen wenn der Flughafenshuttlebus zu um 04.00 Uhr bestellt ist, erzeugt eine überraschende Schnelligkeit und Klarheit der Gedanken zu solch früher Stunde:

„Der Handywecker war auf 3:20 Uhr gestellt, ich kann mich vage sowohl an das Klingeln als auch an das Betätigen der Snooze-Taste, erinnern. Ok zwischen 03.20 Uhr und jetzt muss ich wohl geschlafen haben, Pietschi offensichtlich auch, der ist nämlich immer noch nicht wach, scheiße. Also anziehen und rausrennen, vielleicht wartet das Shuttle ja noch. Überraschung: tut es nicht. Alles klar lass mich nachdenken, der Flug geht um 06.15 Uhr; es sind ungefähr 40min Fahrt bis zum Christchurch Airport. Taxi. Genau. Das macht man in solch einer Situation! Scheiße hab keine Taxi Nr. und auch keine Shuttle Nr. Mist hätte ich mal pedantisch Deutsch voraus geplant – just in case! Wie auch immer, was machen wir jetzt? Ah – Auskunft anrufen. Scheiße hab auch keine Nr. von der Auskunft – Moment, mein Reiseführer. Aha!“

So führt das eine zum anderen. Und 6min später sitzen wir fertig gepackt und angezogen (sogar mit Zähne geputzt) im Taxi. Der Taxifahrer, ein übergewichtiger sehr netter, geschätzte 40 Jahre alter Maori, ist aufgeregter als wir bezgl. des potentiellen Flieger Verpassens Szenarios (Ich habe vielleicht am Telefon etwas übertrieben was die Dringlichkeit unserer Taxifahrt anging) und gibt sein Bestes.Während wir so durch das nächtliche Christchurch brausen, werde ich langsam wach und bin zu einigen komplexeren Gedankengängen fähig, so überlege ich mir, dass ich in der brenzligen Situation ziemlich schnell und intelligent gehandelt habe. Nicht schlecht Mr. Traveller. Außerdem ist so aufzuwachen eigentlich ideal, zumindest wenn man einen 06.15 Uhr Flug bekommen möchte, kein langes Wachwerden und Müdigkeitsgefühl in dieser unheimligen 4 Uhr-Nachts-Aufstehen-alles-ist-ruhig-und-schläft-Atmosphäre.


* Neuseeland ist schlimmer als die DDR.

NZ hat sich mit einer fulminanten Geste von mir verabschiedet, die meinen von diesem Land gewonnenen Eindruck noch einmal mit schöner Deutlichkeit bestätigt hat. 25 $NZ „Ausreisesteuer“. Lachhaft und nicht mal einem 3. Welt Land würdig. In der DDR konnte man sich damals für das zwangsumgetauschte Geld wenigstens noch was kaufen!


* Australien fetzt doch mehr!

Ungefähr 300km vor der Küste Australiens realisiere ich: hier ist schön und ich habe das vermisst! V.a. das gute Wetter. Man nimmt ja immer alles als gegeben hin, aber vielleicht sollte ich diese 7 Wochen Neuseeland Exil als Geschenk begreifen. Um die vielen guten Seiten an Australien besser schätzen zu können. Hier v.a. das Wetter!
Ich blicke freudig und voll großer Erwartungen in die Zukunft oder naja die 4-5 Monate die hier noch vor mir liegen und freue mich auf neue Abenteuer und auch mal wieder neue Erfahrungen.


* Ich hasse Flughäfen.

Dieser lächerliche „Shutte Bus“ vom internationalen zum Domestic Terminal in Sydney ist lahm, ein Witz und kostet auch noch 5.50$AUD. Seit wann muss man denn für den Transfer von einem Terminal zum anderen was zahlen? Also wirklich. Und dann steht der Bus auch noch im Stau und lässt mich beinahe meinen Anschlussflug verpassen.
(Hier sei vielleicht noch erwähnt, dass ich eigentlich den Plan hatte von Neuseeland direkt nach Melbourne zu fliegen und von dort weiterzureisen. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, die etwas mit überdurchschnittlichen Alkoholkonsums in Cairns während des Zeitpunkts der Buchung zu tun haben können, aber nicht müssen, habe ich jedoch meinen Rückflug nach Sydney gebucht – was mir glücklicherweise noch rechtzeitig mitgeteilt werden konnte (Danke Pietschi ;-) und ich so einen Anschlussflug von Sydney nach Melbourne buchen konnte)

o Überhaupt Flughäfen: übervorsichtiger Zoll, unwissende desinformierende Bedienteste, übertrieben überteuertes Essen und Getränke, das entwürdigende Gürtel ablegen beim Sicherheitscheck. Das ist doch alles nicht spaßig. Ich hasse Flughäfen und Passagier in kommerziellen Flugzeugen sein!

o Melbourne Avalon, mein designierter Landeflughafen ist auch nur eine Stunde von Melbourne entfernt. So ist das mit den Billigfliegern. Ryanair mag dieses kreative Flughafenbenennen erfunden haben, in Australien ist es jedenfalls auch schon angekommen. Danke Jetstar!

o Andererseits mag ich diese Atmosphäre auf den kleinen Flughäfen. Da fühlt sich jedes gelandete Flugzeug noch nach einem kleinen Ereignis an und man hat auch keine Probleme das korrekte Gepäckband zu finden. Die einstündige Busfahrt ins Stadtzentrum und die $20 die ich dafür lasse sind hingegen weniger erfreulich.


* Hostels darf man auch mal im Voraus buchen.

In Melbourne-Zentrum angekommen und mit Pietschie wieder vereint werden bei einem durchschnittlich leckeren Whopper-Meal die im Lonely Planet angebotenen Hosteloptionen diskutiert. Nach 15min können wir uns auf eins einigen – die Auswahl an guten Hostels war einfach zu groß. Das war ausgebucht. 20min später und $15 Handyguthaben ärmer realisiern wir, dass alle Hostes in Melbourne ausgebucht sind. An einem ganz normalen Februar Donnerstag. Es war ja nichtmal Grand Prix oder Sexpo oder Tennis oder so.

Irgendwie landen wir dann im „All-Nations Backpackers“. Wir lernten schnell, dass sich das „All-Nations“ nicht auf die Herkunft der zahlenden Gäste bezog, sondern vielmehr eine Aussage über die Diversität der tierischen Bewohner, hier in der Überzahl solche mit mindestens 6 Beinen, in dieser Unterkunft darstellte.

Interessanterweise handelt es sich bei dieser Unterkunft um das sowohl ranzigste (lies: schlechteste) als auch zugleich teuerste Hostel in dem ich je das Vergnügen hatte eine Nacht verbringen zu dürfen. Die Kombination von niedrigst möglicher Qualität und höchstmöglichem Preis dürfte es laut meinem ehemaligen A-BWL Professor eigentlich nicht geben. Unser Erlebnis dieses Hostels war jedoch ziemlich real, wie bspw. dieses Video zeigt.


* Melbourne ist immer noch ausgebucht.

Wie sich herausstellte war die Stadt 3 Wochen lang so gut wie ausgebucht, weil so viele Backpacker da sind/waren. Ist halt einfach Backpacker Hauptsaison für Melbourne im März. Aha.

Ich bin während der drei Wochen meines Melbourne Aufenthalts in insgesamt 6 verschiedenen Hostels untergekommen. Dabei hat sich die Qualität der Herbergen graduell minimal gesteigert mit einem erwähnenswerten negativen Ausreißer. Bei diesem handelte es sich nicht um ein eigentliches Hostel, sondern um ein Shared House, in dem hauptsächlich Israelis wohnten, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Shared Houses sind Alternativen zu Hostels und in ihnen kann man recht günstig wochenweise wohnen. Das war auch mein eigentlicher Plan. Ein abendliches Erkunden meiner Essensvorräte durch eine hebräisch sprechende Maus, sowie die versuchte Eroberung meines Schlafsacks durch sprungbegabte Bettwanzen ließen mich dann doch meine Pläne ändern.


* Melbourne fetzt.

Trotz der vielen suboptimalen Schlaferfahrungen muss ich doch sagen, dass mir Melbourne sehr gefallen hat – bisher am besten von allen während dieser Reise besichtigten Großstädte.
„Melbourne weiß durch städteplanerisch intelligent gestaltete sowie farbenfrohe und außergewöhnliche Architektur zu bezücken. Mit einem fast europäischem Vibe ist diese Stadt sich ihrer Vorzüge bewusst, verzichtet aber – im Gegensetz zum ewigen Erzrivalen Sydney – darauf die selbigen mit großem Geschrei kund zu tun. Sich in den Mittelpunkt zu drängen, das liegt dieser Stadt fern. Und deshalb sind es auch die Nuancen die diese Metropole ausmachen. Das wahre Melbourne sieht man in seinen gentrifizierten Stadtteilen:Carlton, Fitzroy, St.Kilda, fernab der ausgetretenen Touristenpfade. Hier betritt man ein alternatives künstlerisches Milieu, das einen fast etwas an Berliner Bezirke wie Kreuzberg, Prenzl.berg und Friedrichshain erinnert.“

Vielleicht hat es mir deshalb so gut gefallen?
Ein großer Kritikpunkt ist jedoch das Wetter. Das ist alles andere als entspannt. Es reicht noch nicht, dass Melbourne von den Jahresdurchschnnittstemperaturen her bereits die kälteste Großstadt Australiens ist. Nein hier gibt es auch noch ein besonderes Phänomen, dass sich „4 seasons during one day“ nennt – und in der Tat kann man hier vier Jahreszeiten während eines Tages erleben. So ist es mir mehrfach passiert, dass ich meine Unterkunft vormittags bei strahlendem Sonnenschein und 28°C verlassen habe um mich dann 2h später in fiesen kalten Regenschauern wiederzufinden. Diese wurden dann wiederum 2h später von bedecktem aber mildem Wetter abgelöst. Zum Abend hin konnten es dann aber oftmals auch mal 13°C werden.
Das ist doch dann wirklich nicht mehr lustig und man weiß nie was man an Kleidung mitnehmen soll.


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Mittwoch, 18. Februar 2009

Dreht sich der Strudel denn nun eigentlich anders herum?

Der Frage wurde hochwissenschaftlich mit Zeugen auf den Grund gegangen. Hier noch mal einen Großen Dank an Assisstant (to the) Manager Pietschie und Dekorationsassisstentin Elena!

Der Videobeweis:


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Dienstag, 17. Februar 2009

Du merkst du bist in Neuseeland, wenn....

Christchurch, 17.02.2009
  • Du auf sehr kurvigen Straßen fährst, Wegen gehst, Pfaden wanderst. Kiwis sind offensichtlich einfach nicht in der Lage halbwegs gerade und flache Straßen, Wege, Pfade zu bauen, obwohl es das Terrain erlauben würde.
  • Alles kostenlos ist solange bis du irgendeine Aktivität machen möchtest oder dahin kommen möchtest wo die super tolle kostenlose Wanderung startet
  • Du keine Tiere siehst – abgesehen von den obligatorischen Schafen. Spannende Säugetiere wie Känguruh, Dingo, etc. haben sich hier nie entwickelt, alle anderen wurden durch Maoris, Briten oder Pestizide ausgerottet
  • Du vor einer Brücke warten musst, weil sie nur eine Spur hat. Ist billiger und gibt da ja auch nicht soo viel Verkehr..
  • Die Sehenswürdigkeit die du gerade besichtigst die größte, meiste, beste, tollste Sehenswürdigkeit ihrer Art Weltweit oder doch zumindest auf der Südhalbkugel ist.

  • Du Tausende Deutsche in Jack Wolfskin/Northface Funktionsjacken siehst, die aussehen als wären sie allzeit Trekking/Extremwandern bereit.
  • Es regnet
  • Du frierst

Ok. Eigentlich fand ich meinen Aufenthalt da ja ganz nett, aber irgendwie hat das Land der Kiwis doch einen faden Nachgeschmack bei mir hinterlassen.
Landschaftich war das erwartungsgemäß absolut atemberaubend keine Frage. Besonders hervorzuheben ist hier der Abwechlungsreichtum der neuseeländischen Landschaft: Von alpinem Gebirge zu Fjorden, zu saftigem Grasland und sonnenverwöhnten Stränden – alles dabei. Und das während einer 4h Fahrt!
Aber einerseits fand ich jedoch das Klima nicht so prall. 15°C und Regen im Hochsommer - ja da bin ich ja in Berlin besser bedient.
Und andererseits ist das einfach extrem touristisch! Deutsche und Campervans überall. Überall. Und oftmals sogar Deutsche in Campervans! Auf die 4 Mio. neuseeländischen Einwohner kommen in der Hochsaison bestimmt 1,5Mio Touristen, von denen gefühlte 65,34% Deutsche sind. Ich denke ich bin eigentlich ein recht toleranter Mensch dem Vorurteile jeglicher Art fremd sind und ich habe eigentlich auch nichts gegen Deutsche, bin ja selbst einer, nur treffe ich sie eben nicht gerne am anderen Ende der Welt auf einem 2200m hohen Gipfel! Und die Vielzahl der deutschen Touristen in Neuseeland ist einfach viel zu deutsch. Also in der negativen Bedeutung dieses Wortes. Da wird gemeckert und geklagt und Vergleiche angestellt wo was besser war. Mensch freut euch doch einfach mal, dass ihr hier seid und Urlaub habt. Richtig lustig war, dass viele Deutsche auch schon immer auf 200m zu erkennen waren. Ich nenne sie die Funktionskleidungträger. FunktionsRegenjacke, Funktionsfließjacke, Funktionshose mit abnehmbaren Beinen, Knöchelhohe Wanderstiefel – immer bereit auf sich spontan ändernde Klimagegebenheiten ihrer Umgebung, bspw. der Aucklander Fußgängerzone zu reagieren!
Zu den vielen Deutschen kommt auch noch die okönomische Struktur Neuseelands: Der Tourismus trägt hier zu ca.30% zum BIP bei. Effektiv heißt das, dass jeder dritte Kiwi sein Geld mit Touristen verdient. Demzufolge bietet dir auch ca. jeder 3. Neuseeländer die Möglichkeit an dein Geld bei ihm für irgendeine Aktivität oder irgendeinen Service zu lassen. Das können Aktivitäten mit einem gewissen Gegenwert sein - Fallschirmspringen, Bungee, Aerobatics fliegen, mit Delfinen schwimmen......... oder auch nur ein Ausnutzen von Zwangslagen: überteuerte Fähren von der Nord zur Südinsel, übertriebene Shuttlebusgebühren für Wanderungen, Eintritt in Museen für alle nicht Neuseeländer und mein Favorit die Ausreisesteuer von $25 - am Flughafen bei Abreise zu bezahlen
- sonst kein Einsteigen ins Flugzeug. Und dabei machen sie sich noch nicht mal die Mühe eine Begründung für die Steuer zu erfinden ;-)

Das kommt jetzt hoffentlich nicht falsch rüber. Ich hatte ne tolle Zeit in NZ, habe super viel erlebt und hunderte gute Fotos geschossen. Trotzdem fand ich, dass die große Anzahl an Touristen das Erlebnis etwas verdorben hat. Wenn ich 18km durchs Gebirge wandere, fände ich es ganz nett, wenn das nicht 400 Leute zur gleichen Zeit auch tun. Andererseits haben die vermutlich auch das gleiche über mich gedacht. Letztendlich bin ich doch auch nur ein Tourist. (Aber immerhin einer ohne Funktionshose!)




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Mittwoch, 21. Januar 2009

Die Tongariro Alpine Crossing Wanderung

Tongariro National Park, NZ, 21.01.2009

Wow eine Wanderung. Wie spannend, bitte erzähl mehr, gähn. – Naja irgendwie schon und dann auch wieder nicht. Immerhin sind wir hier in Neuseeland und da ist ja sowieso immer alles besser größer, öfter oder spektakulärer. Wie auch immer….

Das Tongariro Alpine Crossing ist eine der besten Ein-Tages-Wanderungen der Welt. Sagt man. Das Wort „Ein-Tages-Wanderung“ ist hier besonders hervorzuheben, weil es eine Kategorie von Wanderungen beschreibt die an einem Tag, sprich ohne Übernachtung, zu bewältigen sind. Für den Durchschnittsbackpacker/touristen sind das die wirklich interessanten Wanderungen, da für alles was länger dauert mehr Zeit, Geduld und v.a. Geld in Form professioneller Ausrüstung (der Aldi Schlafsack tut es bei 2000m Höhe eben nicht mehr) eingeplant werden muss.

Weiterhin ist das Tongariro Crossing offiziell einer von Neuseelands „10 Great Walks“, das sind von der Regierung ausgezeichnete, besonders tolle Wanderwege (eine der Wanderungen ist übrigens lustigerweise eine 3 Tages Kanutour auf nem Fluss).
Hinzukommt, dass einer der Berge an denen man vorbeispaziert der Schicksalsberg aus Herr der Ringe ist. Also der wurde dafür gefilmt. Der wo Frodo den Ring reinwirft in Mordor mit dem Sauron-Auge und so.
Soweit so schön. Meine eigentlichen Beweggründe dafür mich freiwillig 19km durchs Gebirge zu schleppen sind natürlich wie immer weit niederer Natur: Ruhm und Ehre. Jeder nicht vollkommen spaßbefreite Tourist/Backpacker der etwas auf sich und sein „more than average“ Fitness Level hält macht das hier mit. Da darf ich selbstverständlich nicht fehlen.

Da wir nicht vollkommen planlos ins 19km lange Verderben wandern wollen, suchen wir einen Tag vor dem geplanten Start das örtliche Informationscenter auf. Da wird uns erklärt, dass wir gut vorbereitet sind wenn wir mindestens genauso dumm wie die Frau auf dem Bild aussehen. Nunja. Auf unsere Frage hin wie wir denn am nächsten Tag am besten zum Startpunkt unser Wanderung gelangen, reagiert die Infodame mit einem freundlichen aber bestimmten Kopfschütteln – Morgen ist nicht wandern weil zu viel Wind. Auf meine Bitte hin diese Aussage etwas zu konkretisieren, sagen wir auf der Skala von „Mach die Tür zu – zieht!“ bis zu „Hurricane Katrina“, bekomme ich wieder das Kopfschütteln, diesmal jedoch weniger freundlich und in Kombination mit diesem resignierten etwas ungläubigen und mir während meines Backpackerlebens nun schon viel zu oft geschenkten Blicks, der grob übersetzt vermutlich folgendes ausdrücken soll: „Du intelligenzbefreiter Idiot. Meinst du bist hier der Tourist und das Wetter und alles tanzt nach deiner Nase und deinem Zeitplan. Du hast doch noch nie nen Berg von oben gesehen und nicht die leiseste Vorstellung auf was du dich da eigentlich einlassen möchtest.“ Netterweise drückte sie sich etwas gewählter aus: „You bloody fool. If you do the hike tomorrow, you gonna get blewn off that mountain.”

Nach 3 Tagen Wind und Regen die wir mit nichts tun und Herr der Ringe DVDs gucken verbrachten, konnte es dann endlich losgehen. Der Shuttle Bus setzte uns und die anderen 400 Touris/Backpacker, die ebenfalls auf gutes Wetter gewartet hatten, bei strahlendem Sonnenschein am Startpunkt ab. (Um das Benutzen eines Shuttlebusses, der Backpackerunfreundliche 30NZ$ für eine einfache 15min Fahrt nimmt, kommt man leider nicht herum. Die Wanderung beginnt schließlich irgendwo im nirgendwo und der Startpunkt (lies Autoparkplatz) ist nicht der Endpunkt. D.h. nach erschöpfenden 19km Wanderung ist man exakt 19km von seinem Transportmittel entfernt. Unpraktisch. Hinzukommt das Alle (d.h. Touristeninformationen, Locals, Hostels, Lonely Planet) davon abraten sein Auto da zu parken, weil wegen Einbruch, Diebstahl und Vandalismus. Also nimmt man den Bus)

Die ersten 2h wanderten sich ganz gut. Mit meinen neu und kostengünstig (NZ$90) erworbenen Northface Wanderschuhen fühlte ich mehr als gut equipped. Sie liefen sich auf dem steinigen Terrain tatsächlich angenehmer als meine Flip Flops in denen ich alle bisherigen Wanderungen (tropischer Dschungel, Möchtegern Gebirge) absolviert habe. Nach 2h stehen wir vor Mt. Ngauruhoe, dem Schicksalsberg aus Herr d. R. Der Anblick ist überwältigend. Ein riesiger schwarzer Krater, der aussieht, wie man sich einen klassischen Vulkan vorstellt. Einladend ist anders. Der Berg wirkt abweisend. Es fällt leicht sich vorzustellen, warum Mr. Jackson sich für seinen Film genau diesen Berg als Wohnsitz des Superbösen ausgesucht hat.
Während wir da so stehen bemerken wir einige kleine Figuren die sich langsam den steilen Krater hoch quälen. Ein Blick in die Karte verrät: Mt. Ngauruhoe ist nicht Bestandteil des eigentlichen Tongariro Crossings aber (theoretisch) besteigbar. Erklärt die Broschüre. Nach Abwägen des Für und Widers beschließen wir, dass die Worte: „hazardous“, „very dangerous“, „should be avoided“ und „take extra care“, die vergleichsweise oft in dem kurzen Begleittext zu Mt. Ngauruhoe auftauchen sich an den durchschnittlich fitten, tollpatschigen Touristen wenden müssen (von denen wir uns ja aus Prinzip distanzieren) und machen uns auf den Weg bergauf. Nach 30 Minuten komme ich zu folgenden zwei Erkenntnissen: Das Erklimmen von 1000 Höhenmeter dauert überraschenderweise ein wenig länger als ein 1km Spaziergang im Wald. Und, es ist doch faszinierend in welch steilem Winkel der Mensch noch „gehen“ kann. Weitere 30 Minuten später beschäftigen mich v.a. folgende zwei Gedanken: Den Rucksack mit der gesamten Kleidung unten zurückzulassen war wirklich die beste Idee des Tages. In 2000m ist es irgendwie deutlich kälter und windiger als weiter unten - nur mit kurzer Hose, T-Shirt und Digicam bewaffnet mich keuchend den Berg hoch schleppend sehe ich genauso aus wie der dumme, leichtsinnige, unerfahrene Tourist der ich bin. Sowie: Runterkommen wird uncool und sehr rutschig. Als wir nach insgesamt 2h endlich oben angekommen sind, sind wir vom An- und Ausblick sowie unser eigenen Leistung mehr als fasziniert. Wir nehmen unser Mittag auf 2287m ein und ich bin dankbar, dass es sich hier um einen der aktivsten Vulkane des 21. Jhdts. handelt – die ganze thermische Aktivität hält mich wenigstens ein bisschen warm.
Der Abstieg war dann der eigentliche Spaß. Mehr oder weniger kontrolliert rutschen wir die 1200 Höhenmeter des steilen Abhangs hinunter. Hochkonzentriert um im Falle eines Gleichgewichtsverlusts eine Landung auf dem Hinterteil dem unkontrollierten Herunterrollen hunderter Meter vorzuziehen, kommen wir dem Tal mit großen Sprüngen näher, nicht ohne dabei den elegant an uns vorbeimarschierenden mit Wanderstöcken und Beinschonern überequippten Zweierpärchen von Österreichern neidische und zugleich verachtende Blicke zuzuwerfen.
Unten angekommen bin ich überrascht, dass wir es alle drei ohne relevante Schäden hoch und auch wieder runter geschafft haben. Nach oberflächlicher Versorgung meiner beiden tiefen und irrelevanten Schienbein-Schnittwunden in Andenkengröße ging es dann wieder weiter mit dem eigentlichen Crossing. Irgendwie dachte ich mit der Erklimmung des Berges hätten wir das gröbste Stück bereits geschafft. Der nächste Wegweiser lässt mich dann realisieren, dass der Berg ja dann irgendwie nicht Bestandteil der eigentlichen Wanderung war und noch 13 fordernde Kilometer vor uns liegen. Als ungefähr noch 12,95 km zu bewältigen waren, hatte ich keine Lust mehr. Nunja es half nichts. Und so kletterten und rutschten wir die restliche Strecke bei sich deutlich verschlechterten Wetterbedingungen (Wind + kalt!) bis ins Ziel um festzustellen, dass wir eine Stunde zu spät für unseren Shuttlebus waren. Dieser hatte uns am Morgen beim Absetzen recht deutlich zu verstehen gegeben, dass er gedenkt uns alle um Punkt 16.00 Uhr wieder abzuholen. Wer 16.00 Uhr nicht schaffe, aus welchen Gründen auch immer (Bein verloren, Stein im Schuh, zu viele Powernaps, vom Yeti entführt) der hätte eben Pech, der Bus käme jedenfalls nicht noch mal.
Und mit dieser Aussage sollte der sympathische, umwerfend desinteressierte, nachhaltig ignorante und dabei interessant unverantwortliche Fahrer auch Recht behalten.

So standen wir also da mitten im Nirgendwo, recht stolz auf unsere Tagesleistung doch zugleich in freudiger Erwartung einer warmen Dusche und hofften das bald etwas passiert. Während meine Versuche dem Shuttle Bus Betreiber meinen Unmut über seinen eher ausgedünnten Fahrplan näherzubringen an der (für einen Nationalpark recht überraschend) nicht existenten Mobilfunknetzabdeckung scheiterten, kam plötzlich dieser Mann aus dem Wald zum Parkplatz gelaufen. Wie sich herausstellte war er die 19km soeben in 2:38h gejoggt, nachdem er die selbe Strecke in die andere Richtung am Vormittag abgewandert und dabei den von uns ebenfalls erkletterten Mt. Ngaurohoe sowie zwei weitere Berge bestiegen hat. Während ich immer noch ungläubig über diese Leistung nachdachte und versuchte sie in Relation zu dem was ich heute vollbracht habe zu bringen, sind wir auch schon fast wieder am Hostel – der Übersportler hatte sich freundlicherweise bereit erklärt uns mitzunehmen. Nach heißer Dusche falle ich ins Bett und schaffe es noch die Hälfte dieses Texts zu schreiben und zu folgendem Tagesresultat zu kommen:

Positiv:
  • Crossing geschafft + zusätzlich Berg bestiegen, damit immerhin etwas vom Durschnittstouri/Backpacker abgehoben.
  • Schöne Wanderung mit Natur und so.
  • Kostenlos von schottischem Extrem-Sportler nach Haus gefahren worden

Negativ:
  • 19km +3km Berg hoch müssen jetzt auch nicht jeden Tag sein.
  • Schnittwunden sind irgendwie tiefer als gedacht inkl. Vulkangestein als Andenken
  • Knie verdrehen beim Abstieg tut nicht gut – aber man kann die letzten 8km auch mit Knieschmerzen wandern/auf einem Bein hüpfen wenn man keine Wahl hat.
  • Super Sonnenbrand an den Waden habe ich auch noch heimgebracht – Screw You Höhensonne!



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