Donnerstag, 19. Februar 2009

Flying into Melbourne

Heute: Gedanken in Stichpunkten:

*Adrenalin ist lustig.

04:20 Uhr aufwachen wenn der Flughafenshuttlebus zu um 04.00 Uhr bestellt ist, erzeugt eine überraschende Schnelligkeit und Klarheit der Gedanken zu solch früher Stunde:

„Der Handywecker war auf 3:20 Uhr gestellt, ich kann mich vage sowohl an das Klingeln als auch an das Betätigen der Snooze-Taste, erinnern. Ok zwischen 03.20 Uhr und jetzt muss ich wohl geschlafen haben, Pietschi offensichtlich auch, der ist nämlich immer noch nicht wach, scheiße. Also anziehen und rausrennen, vielleicht wartet das Shuttle ja noch. Überraschung: tut es nicht. Alles klar lass mich nachdenken, der Flug geht um 06.15 Uhr; es sind ungefähr 40min Fahrt bis zum Christchurch Airport. Taxi. Genau. Das macht man in solch einer Situation! Scheiße hab keine Taxi Nr. und auch keine Shuttle Nr. Mist hätte ich mal pedantisch Deutsch voraus geplant – just in case! Wie auch immer, was machen wir jetzt? Ah – Auskunft anrufen. Scheiße hab auch keine Nr. von der Auskunft – Moment, mein Reiseführer. Aha!“

So führt das eine zum anderen. Und 6min später sitzen wir fertig gepackt und angezogen (sogar mit Zähne geputzt) im Taxi. Der Taxifahrer, ein übergewichtiger sehr netter, geschätzte 40 Jahre alter Maori, ist aufgeregter als wir bezgl. des potentiellen Flieger Verpassens Szenarios (Ich habe vielleicht am Telefon etwas übertrieben was die Dringlichkeit unserer Taxifahrt anging) und gibt sein Bestes.Während wir so durch das nächtliche Christchurch brausen, werde ich langsam wach und bin zu einigen komplexeren Gedankengängen fähig, so überlege ich mir, dass ich in der brenzligen Situation ziemlich schnell und intelligent gehandelt habe. Nicht schlecht Mr. Traveller. Außerdem ist so aufzuwachen eigentlich ideal, zumindest wenn man einen 06.15 Uhr Flug bekommen möchte, kein langes Wachwerden und Müdigkeitsgefühl in dieser unheimligen 4 Uhr-Nachts-Aufstehen-alles-ist-ruhig-und-schläft-Atmosphäre.


* Neuseeland ist schlimmer als die DDR.

NZ hat sich mit einer fulminanten Geste von mir verabschiedet, die meinen von diesem Land gewonnenen Eindruck noch einmal mit schöner Deutlichkeit bestätigt hat. 25 $NZ „Ausreisesteuer“. Lachhaft und nicht mal einem 3. Welt Land würdig. In der DDR konnte man sich damals für das zwangsumgetauschte Geld wenigstens noch was kaufen!


* Australien fetzt doch mehr!

Ungefähr 300km vor der Küste Australiens realisiere ich: hier ist schön und ich habe das vermisst! V.a. das gute Wetter. Man nimmt ja immer alles als gegeben hin, aber vielleicht sollte ich diese 7 Wochen Neuseeland Exil als Geschenk begreifen. Um die vielen guten Seiten an Australien besser schätzen zu können. Hier v.a. das Wetter!
Ich blicke freudig und voll großer Erwartungen in die Zukunft oder naja die 4-5 Monate die hier noch vor mir liegen und freue mich auf neue Abenteuer und auch mal wieder neue Erfahrungen.


* Ich hasse Flughäfen.

Dieser lächerliche „Shutte Bus“ vom internationalen zum Domestic Terminal in Sydney ist lahm, ein Witz und kostet auch noch 5.50$AUD. Seit wann muss man denn für den Transfer von einem Terminal zum anderen was zahlen? Also wirklich. Und dann steht der Bus auch noch im Stau und lässt mich beinahe meinen Anschlussflug verpassen.
(Hier sei vielleicht noch erwähnt, dass ich eigentlich den Plan hatte von Neuseeland direkt nach Melbourne zu fliegen und von dort weiterzureisen. Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, die etwas mit überdurchschnittlichen Alkoholkonsums in Cairns während des Zeitpunkts der Buchung zu tun haben können, aber nicht müssen, habe ich jedoch meinen Rückflug nach Sydney gebucht – was mir glücklicherweise noch rechtzeitig mitgeteilt werden konnte (Danke Pietschi ;-) und ich so einen Anschlussflug von Sydney nach Melbourne buchen konnte)

o Überhaupt Flughäfen: übervorsichtiger Zoll, unwissende desinformierende Bedienteste, übertrieben überteuertes Essen und Getränke, das entwürdigende Gürtel ablegen beim Sicherheitscheck. Das ist doch alles nicht spaßig. Ich hasse Flughäfen und Passagier in kommerziellen Flugzeugen sein!

o Melbourne Avalon, mein designierter Landeflughafen ist auch nur eine Stunde von Melbourne entfernt. So ist das mit den Billigfliegern. Ryanair mag dieses kreative Flughafenbenennen erfunden haben, in Australien ist es jedenfalls auch schon angekommen. Danke Jetstar!

o Andererseits mag ich diese Atmosphäre auf den kleinen Flughäfen. Da fühlt sich jedes gelandete Flugzeug noch nach einem kleinen Ereignis an und man hat auch keine Probleme das korrekte Gepäckband zu finden. Die einstündige Busfahrt ins Stadtzentrum und die $20 die ich dafür lasse sind hingegen weniger erfreulich.


* Hostels darf man auch mal im Voraus buchen.

In Melbourne-Zentrum angekommen und mit Pietschie wieder vereint werden bei einem durchschnittlich leckeren Whopper-Meal die im Lonely Planet angebotenen Hosteloptionen diskutiert. Nach 15min können wir uns auf eins einigen – die Auswahl an guten Hostels war einfach zu groß. Das war ausgebucht. 20min später und $15 Handyguthaben ärmer realisiern wir, dass alle Hostes in Melbourne ausgebucht sind. An einem ganz normalen Februar Donnerstag. Es war ja nichtmal Grand Prix oder Sexpo oder Tennis oder so.

Irgendwie landen wir dann im „All-Nations Backpackers“. Wir lernten schnell, dass sich das „All-Nations“ nicht auf die Herkunft der zahlenden Gäste bezog, sondern vielmehr eine Aussage über die Diversität der tierischen Bewohner, hier in der Überzahl solche mit mindestens 6 Beinen, in dieser Unterkunft darstellte.

Interessanterweise handelt es sich bei dieser Unterkunft um das sowohl ranzigste (lies: schlechteste) als auch zugleich teuerste Hostel in dem ich je das Vergnügen hatte eine Nacht verbringen zu dürfen. Die Kombination von niedrigst möglicher Qualität und höchstmöglichem Preis dürfte es laut meinem ehemaligen A-BWL Professor eigentlich nicht geben. Unser Erlebnis dieses Hostels war jedoch ziemlich real, wie bspw. dieses Video zeigt.


* Melbourne ist immer noch ausgebucht.

Wie sich herausstellte war die Stadt 3 Wochen lang so gut wie ausgebucht, weil so viele Backpacker da sind/waren. Ist halt einfach Backpacker Hauptsaison für Melbourne im März. Aha.

Ich bin während der drei Wochen meines Melbourne Aufenthalts in insgesamt 6 verschiedenen Hostels untergekommen. Dabei hat sich die Qualität der Herbergen graduell minimal gesteigert mit einem erwähnenswerten negativen Ausreißer. Bei diesem handelte es sich nicht um ein eigentliches Hostel, sondern um ein Shared House, in dem hauptsächlich Israelis wohnten, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Shared Houses sind Alternativen zu Hostels und in ihnen kann man recht günstig wochenweise wohnen. Das war auch mein eigentlicher Plan. Ein abendliches Erkunden meiner Essensvorräte durch eine hebräisch sprechende Maus, sowie die versuchte Eroberung meines Schlafsacks durch sprungbegabte Bettwanzen ließen mich dann doch meine Pläne ändern.


* Melbourne fetzt.

Trotz der vielen suboptimalen Schlaferfahrungen muss ich doch sagen, dass mir Melbourne sehr gefallen hat – bisher am besten von allen während dieser Reise besichtigten Großstädte.
„Melbourne weiß durch städteplanerisch intelligent gestaltete sowie farbenfrohe und außergewöhnliche Architektur zu bezücken. Mit einem fast europäischem Vibe ist diese Stadt sich ihrer Vorzüge bewusst, verzichtet aber – im Gegensetz zum ewigen Erzrivalen Sydney – darauf die selbigen mit großem Geschrei kund zu tun. Sich in den Mittelpunkt zu drängen, das liegt dieser Stadt fern. Und deshalb sind es auch die Nuancen die diese Metropole ausmachen. Das wahre Melbourne sieht man in seinen gentrifizierten Stadtteilen:Carlton, Fitzroy, St.Kilda, fernab der ausgetretenen Touristenpfade. Hier betritt man ein alternatives künstlerisches Milieu, das einen fast etwas an Berliner Bezirke wie Kreuzberg, Prenzl.berg und Friedrichshain erinnert.“

Vielleicht hat es mir deshalb so gut gefallen?
Ein großer Kritikpunkt ist jedoch das Wetter. Das ist alles andere als entspannt. Es reicht noch nicht, dass Melbourne von den Jahresdurchschnnittstemperaturen her bereits die kälteste Großstadt Australiens ist. Nein hier gibt es auch noch ein besonderes Phänomen, dass sich „4 seasons during one day“ nennt – und in der Tat kann man hier vier Jahreszeiten während eines Tages erleben. So ist es mir mehrfach passiert, dass ich meine Unterkunft vormittags bei strahlendem Sonnenschein und 28°C verlassen habe um mich dann 2h später in fiesen kalten Regenschauern wiederzufinden. Diese wurden dann wiederum 2h später von bedecktem aber mildem Wetter abgelöst. Zum Abend hin konnten es dann aber oftmals auch mal 13°C werden.
Das ist doch dann wirklich nicht mehr lustig und man weiß nie was man an Kleidung mitnehmen soll.


1 Kommentar:

  1. Blocki! Sehr sehr cool. Hast du gut geschrieben und da unsere Kommunikation ja oft zu wuenschen uebrig laesst, wusste ich ja auch voll viel gar nicht. Will auch so schreiben wie du, aber dazu muesste ich vielleicht einfach nur mal wieder auf meine Muttersprache umschwenken... Kriegst n Bienchen und Daumen hoch!

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